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Operative Abnehmhelfer: Wenn Diäten nicht mehr helfen

Abnehmen fällt vielen Menschen sehr schwer, denn der menschliche Körper ist nicht immer gewillt, überflüssige Pfunde abzubauen und reagiert auch nicht auf jede Diät wie gewünscht. So kommt es zur Frustration, Diäten werden abgebrochen und ein langfristiger Abnehmerfolg stellt sich nicht ein.

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(Symbolfoto: pixa)

Operative Abnehmhelfer: Wenn Diäten nicht mehr helfen

Ein schlanker, fitter und gesunder Körper ist nicht nur unter ästhetischen Aspekten für viele Menschen erstrebenswert, auch die gesundheitliche Situation ist rosiger, wenn der BMI die 25 nicht übersteigt. Denn Übergewicht sorgt für Kurzatmigkeit, Rückenschmerzen sowie Beschwerden im Bereich der Gelenke und ebnet den Weg für Stoffwechselerkrankung, eine Schlafapnoe, Diabetes sowie verschiedene Herzkrankheiten, um nur einige Folgen zu nennen.

Doch Abnehmen fällt vielen Menschen sehr schwer, denn der menschliche Körper ist nicht immer gewillt, überflüssige Pfunde abzubauen und reagiert auch nicht auf jede Diät wie gewünscht. So kommt es zur Frustration, Diäten werden abgebrochen und ein langfristiger Abnehmerfolg stellt sich nicht ein. Wer mit herkömmlichen Diäten keine Abnahme erzielt, kann Hilfe von chirurgischer Seite erhalten, denn es gibt verschiedene Methoden, den stark ausgedehnten Magen adipöser Patienten zu verkleinern bzw. zu modifizieren.

Verkürzung der Nahrungspassage mittels Magenbypass

Ein Magenbypass eignet sich vornehmlich für Personen mit einem BMI zwischen 40 und 60, die Schwierigkeiten haben, Diäten durchzuhalten und Unterstützung bei der Selbstkontrolle benötigen. Der Eingriff selbst erfolgt unter Vollnarkose und kann in der Regel im Rahmen einer Bauchspiegelung – also laparoskopisch – durchgeführt werden. Um das Hungergefühl einzudämmen wird ein Großteil des Magens abgetrennt und verschlossen. Der verbleibende Magenrest hat nun ein Fassungsvermögen von 15 bis 20 Milliliter, im Vergleich hierzu fasst ein normaler Magen 1,2 bis 1,6 Liter.

Der größere Magenanteil wird mit der Dünndarm-Passage, in welche die Verdauungssäfte aus der Bauchspeicheldrüse und der Galle münden, abgetrennt und erst weiter hinten wieder an den Verdauungstrakt angeschlossen. So wird aus der Nahrung, die durch den kleineren Magenteil und den neu angeschlossenen Dünndarm einen verkürzten Weg durch den Darmtrakt nimmt, bis zu 40 Prozent weniger Fett aufgenommen.

Die gesamte OP dauert circa 1,5 Stunden. Während der fünf Tage des stationären Aufenthalts werden dem Patienten Ernährungsregeln erläutert, denn das eingeschränkte Fassungsvermögen des Magens muss bei der Nahrungsaufnahme mit bedacht werden. Zudem ist die Aufnahme von ergänzenden Vitaminpräparaten wichtig, da diese normalerweise bei der Wanderung durch den Darm aufgenommen werden, was bei einer verkürzten Darmpassage jedoch nicht oder nur unzureichend möglich ist.

Schonende Schlauchmagen-OP mittels Endo-Sleeve-Verfahren

Bei einer Schlauchmagen-OP wird – ähnlich wie beim Magenbypass – ein großer Teil des Magens abgetrennt. Der Unterschied liegt in der Schnittführung, so wird der Magen bei der Schlauchmagen-OP senkrecht abgetrennt, wohingegen beim Bypass ein waagerechter Schnitt gesetzt wird. Für die Schlauchmagen-OP bedeutet dies, dass der Dünndarm nicht neu angeschlossen werden muss, es aber dennoch zu einer Reduktion des Fassungsvermögens um bis zu 90 Prozent kommt; zudem wird der abgetrennte Magen entfernt.

Wurde bisher auch hier immer laparoskopisch gearbeitet, ist es nun dank des Endo-Sleeve-Verfahrens möglich, den Magen narbenfrei im Zuge einer Magenspiegelung zu operieren, indem die Magenwand durch Nähte gefasst wird. Der stationäre Aufenthalt umfasst meist ein bis zwei Tage. Bis zu zwei Wochen nach dem Eingriff ist flüssige und breiige Kost zu empfehlen, um den Magen nicht zu überlasten, bis der Patient schließlich leichte Kost zu sich nehmen kann. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in der geringen Komplikationsrate, die eine Magenspiegelung mit sich bringt. Zudem wird der normale Speiseweg erhalten, weshalb in der Regel keine Vitaminmangelerscheinungen zu erwarten sind.

Die richtige Lebensweise ist entscheidend für den Erfolg

Die oben genannten Verfahren stellen eine Hilfestellung beim Abnehmen dar. Die richtige Ernährungsweise ist für den Erfolg sehr wichtig, denn insbesondere beim Schlauchmagen und dem Magenbypass kann fortbestehende übermäßige Nahrungsaufnahme den Magen erneut aufdehnen und die Verkleinerung bleibt erfolglos.

Nicht nur aus diesem Grund ist eine Umstellung des Ernährungverhaltens wichtig, denn wer am Magen operiert wurde, sollte seinen Verdauungsorganen Erholung gönnen und sich über Suppen oder Brei vorsichtig an leichte Kost herantasten, andernfalls kann es zu starker Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen kommen.

Wer sich jedoch recht konsequent an die Vorgaben der Ernährungsberatung hält und die Chance nutzt, um mittels Magenverkleinerung nachhaltig und effektiv abzunehmen, der kann je nach angewandter Methode in den Jahren nach dem Eingriff 50 bis zu 70 Prozent seines Übergewichts abbauen.

 


Dr. med. Richard Merkle

  • Seit über 25 Jahren in der Chirurgie tätig
  • Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurg
  • Ärztlicher Leiter des Viszera Chirurgiezentrums München
  • Schwerpunkte: Hernienchirurgie, Chirurgie des Magen-Darm-Trakts, konservative und operative Übergewichtsbehandlung, chirurgische Endoskopie.

Dr. Merkle war leitender Oberarzt einer Münchner Klinik, bevor er die Leitung des Viszera Chirurgiezentrums übernahm. Er beherrscht alle gängigen Techniken der Leistenbruch-OPs und führt auch schwierige Eingriffe wie Dickdarm-Teilentfernungen und Übergewichtsoperationen durch. Alle klinischen Schwerpunkte stehen gleichzeitig im Fokus seiner wissenschaftlichen Tätigkeit.

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