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Kommentar: Von „Almanci“ zu „Türk Vatandasi!“

Ich sitze zurzeit im Flieger und wandere physisch von Deutschland in meine DNA - Heimat Türkei, meine Gedanken sind aber noch in meiner Live - Heimat in Deutschland verblieben. Ein Kommentar.

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(Archivfoto: NEX24)

Gastbeitrag von M. Teyfik Özcan

Ich sitze zurzeit im Flieger und wandere physisch von Deutschland in meine DNA – Heimat Türkei, meine Gedanken sind aber noch in meiner Live – Heimat in Deutschland verblieben.

Kann man Körper und Geist störungsfrei voneinander trennen? Anscheinend ja, und das in einer harmonischen Weise, bevor man das zeitliche gesegnet hat! Da stellt sich natürlich die Frage nach der Definition des Begriffs „Heimat“ und wie man ihn mit unterschiedlichen Inhalten füllt.

Für die einen ist es der Ort, wo man arbeitet und seine Familie ernährt, für die anderen ist es der Ort der Sehnsucht weit vom Lebensmittelpunkt entfernt. Bei der Interpretation des Begriffes fallen mir auf Anhieb Worte wie Geborgenheit, emotionale Bindung, Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gesellschaft, Familie, Freunde, Freiheit und Respekt gegenüber meiner Religion ein.

Die Begriffserklärung gestaltet sich sicherlich individuell unterschiedlich, je nach Alter, philosophischer oder politischer Lebenseinstellung. Ein wichtiger Faktor ist eben auch die Akzeptanz des Individuums durch die soziale Gesellschaft. Genau an diesem Punkt stellt sich nämlich die Frage, wie die einheimische Gesellschaft über deine Anwesenheit denkt und (vor)urteilt.

Ist man in der Türkei „Almanci“ und Deutschland „Deutschtürke“ oder ist man in der Türkei „Türk“ und in Deutschland „Deutscher“? Schon bei der Kategorisierung des Individuums und inkl. dieser Schubladenmentalität wird die ganze Miesere dieses Themas sichtbar. Warum versuchen Menschen aus deinem Umfeld dich zwangsweise zu kennzeichnen? Ist der Ursprung dieses Separationswillens in der Tradition und Kultur zu suchen oder geht es banal nur um die eigene Befriedigung des Überheblichkeitsgefühls, um das Selbstwertgefühl zu steigern?

Ohne die emotionale Seite näher zu beleuchten, möchte ich den Spieß umdrehen und eine Lanze für die türkische Community in der Diaspora brechen. Die abwertend konnotierte Bezeichnung des Begriffs „Almanci“ sollten wir nicht als Grundlage einer gesellschaftlichen Sprachordnung akzeptieren. Dieser Status des ungebildeten und reichen Exiltürkens sollte mittlerweile ausgedient haben.

Bei nüchterner Betrachtungsweise sind die Bürger in der Türkei den Auslandstürken zu einem unermesslichen großem Dank verpflichtet. Seit über 55 Jahren transferieren wir jedes Jahr Milliarden von Euro an Devisen in die Türkei und haben so einen immens großen Anteil an der wirtschaftlichen Prosperität in der Türkei geleistet.

Nicht weniger von Bedeutung ist der kostenlose Transfer von Humankapital und Know-how aus Westeuropa und nicht zuletzt der sportliche Beitrag zum Erfolg der türkischen Mannschaften durch die im Ausland ausgebildeten Türken. Zu dem Wohlstand in der heutigen Türkei haben wir einen sehr großen Beitrag geleistet und das sollte auch dementsprechend gewürdigt werden.

Wie haben die Türkei zum Besseren verändert und wer trotzdem weiterhin die antiquierte Attitude an den Tag legt, darf sich in den nächsten Tagen auf einen verbalen Vulkanausbruch von mir einstellen. Ein ehrlicher und respektvoller Umgang ist das Mindeste, was wir erwarten sollten.

Unsere Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft sollte nicht mit Naivität oder gar mangelndem Verstand verwechselt werden. Wir erwarten den gleichen Respekt, den wir unseren Landsleuten entgegenbringen. Jetzt, wo die Fronten geklärt sind, kann der DNA – Heimaturlaub endlich beginnen.

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Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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