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Kommentar: Deutsche Leitkultur und die 10 Gebote des Christentums

Herr Minister De Maiziere, Sie sollten in der Funktion des Hüters des Grundgesetzes und als gläubiger Christ mit Vorbildcharakter vorangehen und zeigen, dass Sie auch das Grundgesetz und die christlichen Werte nicht als leere Worthülsen verstehen. Andernfalls dienen Ihre Thesen lediglich dem Nachweis einer anmaßende Überheblichkeit und der daraus resultierenden Doppelmoral. Ein Kommentar.

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(Foto: dts)

Von M.Teyfik Özcan

Sehr geehrter Herr Minister De Maiziere, das Bewusstsein für eine deutsche Leitkultur wird für jede Nation durch ihre Geschichte, Philosophie, Kultur und im Besonderen ihrer Religion geprägt. Durch die Geburt in diesem Lande, haben wir unsere anarchischen Freiheitsrechte aufgegeben und das deutsche Grundgesetz als Grundlage unseres Zusammenlebens in Verbindung mit den gesellschaftlichen Werten und Normen bis zur geistigen Erschöpfung angenommen.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung Ihrer Thesen hat vermutlich nicht in geringster Weise mit der Bundestagswahl zu tun, ist sicherlich nur als ein zeitlicher Zufall anzusehen und möchte bestimmt nicht von den unlösbaren Problemen in Deutschland ablenken. Nur wie sieht die Realität aus? Natürlich muss man vor den Wahlen Position beziehen, um die Schläfer in den eigenen Reihen der CDU wieder zum Leben zu erwecken.

Ob die Auswahl des Themas und die Form dieser Diskussion dafür geeignet sind, wird sich nach der Wahl zeigen. Manche Wähler neigen dazu das Original (AfD) zu wählen als die billige Kopie. Sie fordern bei Begrüßungen einen festen Händedruck und die Bekanntgabe des Namens gegenüber dem Gesprächspartner. Sicherlich gibt es Momente im Leben, wo das so angebracht ist. Aber muss ich allen Menschen meinen Respekt zollen, die es nicht verdient haben.

Warum soll ich einem Massenmörder, der zugleich auch den Friedensnobelpreis erhalten hat, die Hände schütteln und mich mit ihm gemein machen. In Ihrer Funktion als Innenminister gehört es sicherlich zu Ihren Aufgaben nicht zu unterscheiden, aber ich nehme mir die Freiheit raus, zu entscheiden, ob ich brutalen Kindermördern, minderwertigen Rassisten oder seelenlosen Finanzhaien die Hand reiche. Damit ist die Handhabung von Werten und Normen nicht allgemeingültig und den besonderen Umstände geschuldet. Ferner werden unliebsame Telefonanrufe, die nicht gewünscht sind, meinen Namen auch nicht erfahren. Es ist doch mein RECHT zu entscheiden, wem ich die Hand gebe oder wem ich meinen Namen anvertraue. Diese Recht und auch andere Rechte nehme ich wahr, solange das Grundgesetz mir diese Freiheiten gewährt.

Meine deutsche Leitkultur fundiert auf dem Boden des Grundgesetzes und der 10 Gebote des Christentums. Da auch in ihrem Parteinamen das Wort „Christlich“ eine fundamentale Bedeutung aufweist, muss man davon ausgehen, dass Sie christliche Werte und Regeln wohl ernst nehmen. Bei einigen Gebote gibt es aber Erklärungsbedarf, auf die ich kurz eingehen möchte.

Das vierte Gebot verpflichtet uns, unsere Väter und unsere Mütter zu ehren. Wie verhält es sich mit unseren Vätern und Müttern (Rentnern), die dieses Land nach dem zweiten Weltkrieg unter schwierigen Umständen aufgebaut haben, trotzdem aber aus materiellen Zwangen heraus, täglich Pfandflaschen sammeln müssen oder die ihren Scham überwinden und regelmäßig zur Tafel gehen. Halten Sie diesen Umstand mit dem vierten Gebot vereinbar?

Auch beim fünften Gebot, wo es heißt: Du sollst nicht töten, sehe ich eine große Diskrepanz zwischen den christlichen Werten und der Politik der CDU. Wir liefen eine große Anzahl an Waffen und waffenfähigem Material inkl. der chemischen Substanzen an menschenverachtende Diktatoren und Regime, die damit unzählige unschuldige Menschen töten. Mit diesen Lieferungen machen wir uns am Tod von Kindern und Frauen mitschuldig. Wie ist das mit dem fünften Gebot vereinbar?

Beim sechsten Gebot muss ich an Ihren Parteifreund von der CSU denken. Die Affäre von Horst Seehofer hat wieder einmal das wahre Gesicht der CSU gezeigt, die das Christliche im Parteinamen nur zu Marketingzwecken missbraucht. Du sollst nicht ehebrechen verkommt bei den Christsozialen zur moralischen Unglaube.

Zuletzt möchte ich das achte Gebot erwähnen, welches die Lüge, die Verleumdung und die Diffamierung von anderen Personen verbietet. Anscheinend ist dieses Gebot für die CDU und CSU als irrelevant anzusehen. Mit welcher Dreistigkeit viele Ihrer Parteifreunde gegen friedlich in Deutschland lebenden Türken oder im Allgemeinen systematisch gegen den Islam mit Lügen, Halbwissen und Vorurteilen ihre Hetzkampagne fortsetzen, ist eine weiterer Indikator für den Verfall unseres Wertesystems. Wenn man schon im Parteinamen Bezug nimmt auf das Christentum, dann sollte man auch die Grundlagen dieser Religion ernst nehmen und sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben.

Das Zusammenleben in einer Gesellschaft mit arrivierten Bürgen und den zugezogenen Menschen bedarf einem rechtlichen und ethisch-moralischen Fundament. Wir können uns in Deutschland glücklich schätzen, dass diese Basis mit unserem Grundgesetz und den religiösen Werten und Normen vorhanden sind.

Nur, Herr Minister De Maiziere, Sie sollten in der Funktion des Hüters des Grundgesetzes und als gläubiger Christ mit Vorbildcharakter vorangehen und zeigen, dass Sie auch das Grundgesetz und die christlichen Werte nicht als leere Worthülsen verstehen. Andernfalls dienen Ihre Thesen lediglich dem Nachweis einer anmaßende Überheblichkeit und der daraus resultierenden Doppelmoral.

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Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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