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"Einseitige Sicht auf Dinge"
Kommentar: In Deutschland werden positive Dinge über Türkei verschwiegen

"Es hat vielfältige Gründe, weshalb ich den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan unterstütze. Es sind eigentlich dieselben, die ich heranziehen würde, um einen Politiker in Deutschland zu beurteilen. Kurz gesagt: Herr Erdoğan hat der Türkei einen Aufschwung beschert und das Ganze in einem unglaublichen Tempo", schreibt der Unternehmer Yahya Kilicarslan in einem Kommentar.

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(Foto: ZDF/Screenshot)

Von Yahya Kiliçaslan

Es hat vielfältige Gründe, weshalb ich den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan unterstütze. Es sind eigentlich dieselben, die ich heranziehen würde, um einen Politiker in Deutschland zu beurteilen. Kurz gesagt: Herr Erdoğan hat der Türkei einen Aufschwung beschert und das Ganze in einem unglaublichen Tempo.

Hervorzuheben sind das Wirtschaftswachstum, die Infrastruktur, die Fertigstellung von Megaprojekten wie dem Marmaray-Tunnel (unter dem Bosporus) bis hin zum größten Flughafen Europas, der sich momentan im Bau befindet. Das Gesundheitswesen wurde zudem von Grund auf verändert und nachhaltig verbessert. Die ärztliche Versorgung ist erst seit 2011 kosten- und damit sorgenlos für alle Bürger. Zuvor waren Behandlungen nicht selbstverständlich: Menschen, die dabei anfallende Kosten nicht begleichen konnten, mussten sich hoch verschulden.

Des Weiteren ist in der Ära Erdoğan der Abbau der Staatsverschuldung und die Stabilisierung der Märkte erfolgt. Die Türkei gehört im Übrigen zu den wenigen Ländern, die die sogenannten Maastricht-Kriterien exakt erfüllen.

Eine einseitige Sicht auf die Dinge

Leider werden hierzulande diese positiven Dinge verschwiegen. Die Menschen tun sich deshalb schwer damit, zu verstehen, weshalb denn eine laut Medien als „Diktator“ dargestellte Person überhaupt unterstützt wird. Durch Herrn Erdoğan hat das Land in jeglicher Hinsicht gigantische Fortschritte gemacht, wovon ich einen Bruchteil erwähnt habe. Und es entwickelt sich trotz der Unruhen ausnahmslos weiter.

Wegen des Wirtschaftswachstums und der rasanten Entwicklung kehren viele türkischstämmige Deutsche zurück in ihre Heimat. Gerade sehr viele junge Akademiker nutzen die größeren Karrierechancen dort – aktuell wandern mehr Türken aus Deutschland aus als ein. Erwähnenswert ist auch, dass für die im Ausland lebenden Türken die Pflicht zum Militärdienst im Grunde genommen abgeschafft worden ist. Das Wahlrecht können sie nun auch außerhalb der Türkei ausüben. Die emotionale Verbundenheit seitens der Deutschtürken besteht mit beiden Ländern. Die Möglichkeiten und Chancen, die von der aktuellen türkischen Regierung angeboten werden, werden deshalb genutzt.

Die aktuelle Rhetorik ist wenig konstruktiv

Dass die deutsche Regierung beziehungsweise einzelne Bundesländer nun Auftrittsverbote aussprechen, passt meines Erachtens nicht mit dem hier herrschenden Demokratieverständnis überein. Dass Politiker zum Volk sprechen – und bei diesem „Auftritt“ die Menschen über Möglichkeiten, Rechte und Entwicklungen informieren –, ist für mich selbstverständlich und gehört zu einer Demokratie. Letztendlich leben in Deutschland 1,5 Millionen Bürger mit türkischer Staatsangehörigkeit, die das Wahlrecht für eben dieses Referendum haben.

Trotzdem möchte ich auch festhalten: Die aktuelle Rhetorik der türkischen Regierung ist meiner Meinung nach wenig konstruktiv. Vergleiche zum „Dritten Reich“ gehen eindeutig zu weit, und hiervon distanziere ich mich in jeglicher Form. An dieser Stelle sollte man aber gleichfalls erwähnen, dass die Vergleiche zum „Dritten Reich“ tagtäglich in den Medien zu finden sind. Jürgen Trittin hat den Vergleich mit Hitler genauso gezogen wie Christian Lindner. Immer wieder ist zu lesen, dass eine Diktatur in der Türkei herrsche, die an das „Dritte Reich“ erinnere. Wenn wir uns also darüber echauffieren, dass Vergleiche zu Nazideutschland gezogen werden, dann sollte das von beiden Seiten unterbunden werden.

Einen dauerhaften Riss in den Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei fürchte ich aber nicht. Die Identifikation der Deutschtürken mit Deutschland als ihrer Heimat ist zu stark und die soziale Verbundenheit mit unseren deutschen Mitbürgern zu gefestigt, als dass eine solche Befürchtung berechtigt wäre. Fakt ist auch, dass mit dem Referendum in der Türkei, den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich sowie den Bundestagswahlen temporär eine Rhetorik vorherrscht, die auf Wählerstimmen abzielt. Deshalb ist davon auszugehen, dass sich die Beziehungen langfristig wieder normalisieren werden.

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