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In der Türkei fühle ich mich freier als in der Schweiz

Die sonst eher sehr Türkei-kritische Schweizer Tageszeitung "Blick" überraschte ihre Leser am Sonntag mit einem für das Medium untypischen Artikel.

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(Foto: Coraline Chapatte)

Dortmund (nex) – Die sonst eher sehr Türkei-kritische Schweizer Tageszeitung „Blick“ überraschte ihre Leser am Sonntag mit einem für das Medium untypischen Artikel. Sicher wurde auch in diesem Text wieder der türkische Präsident Erdogan, der die Verfassung ändern und die gesamte Macht an sich reißen wolle, erwähnt, im Großen und Ganzen blieb der Artikel doch überraschend positiv. Den Leserkommentaren zufolge sollte „Blick“ das aber nicht zur Gewohnheit werden lassen, sonst wird sie ihre Leser verlieren.

In dem erfrischenden Artikel lässt die Tageszeitung eine seit 2008 in der Türkei lebende Schweizerin über ihre Erfahrungen zu Wort kommen. „Der prachtvolle Bosporus, die Brücken, die Strassen voller Menschen – so schön“, zitiert die Zeitung etwa die 36-jährige. Oder: „Sehe ich die Schönheit, kann ich es mir kaum vorstellen, je wegzugehen.“

„Ausgerechnet aus der Türkei will die Schweizerin nicht mehr weg. Vom Land, das derzeit negative Schlagzeilen schreibt. Präsident Recep Tayyip Erdogan (63) will die Verfassung ändern und die gesamte Macht an sich reißen“, schreibt „Blick“ besorgt.

Coraline Chapatte merke von all dem im Alltag nur wenig. Die Preise seien in die Höhe geschnellt, sonst habe sich ihr Leben kaum verändert. Mehr Polizisten würden in den Straßen patrouillieren und Taschen kontrollieren. Im Visier seien aber eher Terroristen als politische Gegner.

Die seit 2008 in der Türkei lebende Chapatte plante zunächst nur drei Monate zu bleiben, daraus wurden nun neun Jahre. Geld verdiene sie laut „Blick“ als Triathletin, Coach und Übersetzerin. Vollends entfalten könne sie sich in der Türkei – „besser als in der Schweiz, wo alles vorgeschrieben erscheint und in vorgespurten Bahnen verläuft“, so Chapatte in der „Blick“.

(Foto: Coraline Chapatte)

Sie sei „voll integriert in die türkische Gesellschaft“. In der Türkei könne man „außerhalb des Systems“ leben. Außer dem „köstlichen Essen“, dem „umwerfenden Anblick der Stadt“, möge sie den einander erbrachten Respekt in Istanbul. „Im Zug von Neuenburg nach Zürich kam es oft vor, dass sich ein Mann demonstrativ neben mich setzte, obwohl viele Plätze frei waren. Das passiert mir in der Metro von Istanbul nie“, so Chapatte.

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