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Racial Profiling
Kölner Polizeieinsatz: „Erst überfordert, dann überreagiert“

Nach der Silvesternacht 2015/2016 in Köln und den massenhaften sexuellen Übergriffen war das Vertrauen in Sicherheitsbehörden und Politik stark erschüttert. Der Polizeieinsatz in der Kölner Silvesternacht 2016/2017 war nicht zuletzt ein Versuch, verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen.

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(Foto: pixa)

Von Said Rezek

Nach der Silvesternacht 2015/2016 in Köln und den massenhaften sexuellen Übergriffen war das Vertrauen in Sicherheitsbehörden und Politik stark erschüttert. Der Polizeieinsatz in der Kölner Silvesternacht 2016/2017 war nicht zuletzt ein Versuch, verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen.

Das kann und darf jedoch nicht auf Kosten einer Bevölkerungsgruppe oder durch Überreaktionen geschehen. Beispiele hierfür sind die versuchte Einstufung der Magreb-Staaten als sichere Herkunftsländer, sowie die Racial Profiling Exzesse in der Kölner Silvesternacht 2017.

Menschen gerieten einzig und allein aufgrund ihrer vermuteten Herkunft in die Polizeikontrolle. Von Unschuldsvermutung kann keine Rede sein.

Der NTV Reporter Christoph Herwartz beobachtete das Geschehen aus nächster Nähe und schilderte es wie folgt:

„Man kann sich in die Bahnhofshalle stellen und raten: Wen werden die Polizisten nach links schicken, wen nach rechts? Ein einzelner Schwarzafrikaner? Nach rechts. Ein einzelner Araber, oder jemand, der so aussieht? Nach rechts. Ein Blonder ohne Mütze? Nach links. Ein Araber in Begleitung einer Frau? Nach links. Nach und nach wird das Schema deutlich:

Wer nicht im engeren Sinne weiß ist und nicht in Begleitung einer Frau, muss fast immer die rechte Tür nehmen, die anderen die linke Tür. Zwei junge Männer mit schwarzen Haaren und aufwändiger Bartfrisur werden zuerst links, dann rechts abgewiesen.“

Die brutale Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern in Amerika ist nicht vom Himmel gefallen, sondern Ergebnis einer jahrhundertelangen Geschichte. Ich hoffe, die Silvesternacht 2016/17 markiert nicht den Beginn einer ähnlichen Entwicklung in der Bundesrepublik.

Die Rechtfertigungen des Polizeieinsatzes aus der „Mitte“ der Gesellschaft stimmen nicht zuversichtlich. Nachdem die Sicherheitskräfte in der Silvesternacht 2015/16 maßlos überfordert waren, haben sie in diesem Jahr völlig überreagiert.

 

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Said Rezek erhielt 2015 den Preis für die beste Akademische Arbeit des Jahres. 2016 ist sein Buch mit dem Titel „Integration trotz Islam?“ erschienen. Rezek ist freier Journalist und beschäftigt sich mit den Themen Integration, Islam, sowie Fragen der Einwanderungsgesellschaft.

Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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