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Skandal mit diplomatischem Nachspiel
Erdogan an Deutschland: Ihr heißt Terroristen willkommen, aber lasst unsere Parlamentssprecherin warten

Die stellvertretende türkische Parlamentssprecherin Ayse Nur Bahcekapili war am Montag unter fadenscheinigen Gründen auf dem Kölner Flughafen festgehalten worden. Die Parlamentarierin sprach von "unhöflichem Verhalten" vonseiten der deutschen Behörden.

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(Foto: AA)

Ankara (nex) – Nach einem Zwischenfall auf dem Kölner Flughafen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan „Vergeltungsmaßnahmen“ gegen Deutschland angedroht. Anlass dafür ist ein nach türkischer Überzeugung respektloser Umgang mit der stellvertretenden Parlamentssprecherin Ayse Nur Bahcekapili vonseiten deutscher Behörden.

Bahcekapili war in Köln nach eigenen Angaben die Handtasche abhandengekommen, in der sich auch ihr Reisepass befunden hatte. Die türkische Botschaft hatte ihr daraufhin ein provisorisches Reisedokument ausgestellt, das sie zur Rückreise in die Türkei berechtigen würde.

Am Montag sei sie jedoch auf dem Flughafen Köln von der Polizei angehalten worden. Diese habe ihr provisorisches Dokument nicht akzeptiert, sie über mehrere Stunden hinweg warten lassen und sogar eine Festnahme angedroht, da sie möglicherweise illegal nach Deutschland eingereist sei.

„Nach den Maßstäben meines Landes war das Verhalten unhöflich“, erklärte Bahcekapili. „Ich bin Parlamentsabgeordnete meines Landes. Wenn wir deutschen oder anderen ausländischen Parlamentariern Respekt und Anstand entgegenbringen, haben wir das natürliche Recht, auch unsererseits in gleicher Weise Respekt und Anstand zu erwarten.“

Wie Erdogan im Rahmen einer Veranstaltung mit Bürgermeistern und Verwaltungschefs am Mittwoch erklärte, erwäge die Türkei nun Vergeltungsmaßnahmen. Er übte scharfe Kritik an deutschen Behörden:

„Ihr erlaubt Terroristen die Einreise, heißt sie willkommen, feiert sie, aber lasst unsere Parlamentssprecherin und eine Delegation stundenlang auf dem Flughafen warten. […] Wenn Ihr Euch auf diese Weise gegenüber unserer stellvertretenden Parlamentssprecherin benehmt, wenn Eure Polizei sich so verhält, dann muss ich das auf die gleiche Weise handhaben.“

Noch am selben Tag bestellte das türkische Außenministerium den deutschen Botschafter Martin Erdmann im Zusammenhang mit dem Vorfall ein. Erdogan wies auf der Veranstaltung auch darauf hin, dass es ein eigenartiger Zufall sei, dass die Türkei auch ausgerechnet in einer Phase wie dieser wirtschaftlich angegriffen werde, wo türkische Militäraktionen in Syrien und im Irak Erfolge zeitigten oder ein Wechsel zum Präsidialsystem zur Debatte stünde.

„Sie richteten diese ökonomische Waffe auf uns zu einer Zeit, […] da die Türkei davorsteht, signifikante Entscheidungen bezüglich der Europäischen Union zu treffen.“ Ein rapider Verfall der türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar hatte in der Vorwoche für Aufsehen gesorgt. Erdogan rief daraufhin die Bürger auf, ihre Fremdwährungsbestände in türkische Lira oder Gold umzutauschen.


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