Bildungsbericht Türkei: Zahl der Kinderarbeiter nähert sich der Eine-Million-Marke

Bildungsbericht
Türkei: Zahl der Kinderarbeiter nähert sich der Eine-Million-Marke

Am vergangenen Montag hat für fast 18 Millionen Kinder in der Türkei die Schule angefangen. Aber etwa eine weitere Million Kinder müssen nach Angaben eines neuen Berichts derzeit arbeiten.

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(Symbolfoto: pixa)

Ankara (nex) – Am vergangenen Montag hat für fast 18 Millionen Kinder in der Türkei die Schule angefangen. Aber etwa eine weitere Million Kinder müssen nach Angaben eines neuen Berichts derzeit arbeiten.

Nach einem von der türkischen Bildungsgewerkschaft Egitim-Sen veröffentlichten Bildungsbericht für 2015/2016 gibt es etwa eine Million Kinderarbeiter, die zum Einkommen ihrer Familie beitragen müssen. Die Hälfte dieser Kinder wird im Landwirtschaftssektor eingesetzt.

Die Zahl der Kinder, die in Häusern arbeiten, wird mit etwa 7.5 Millionen angegeben. Der Bericht zeigt, dass unter Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren die Zahl derjenigen, die im Landwirtschaftssektor arbeiten, bei 75 Prozent liegt, während sie im Dienstleistungssektor 16 und im Industriesektor 8 Prozent beträgt. Bei Kinderarbeitern im Alter zwischen 15 und 17 Jahren liegen die Prozentzahlen in den oben genannten Sektoren bei 46, 33 und 22 Prozent. Nach einem weiteren Bericht des UNICEF und dem türkischen Verein „Unterstützung für das Leben“ führt Sanliurfa in der Südosttürkei die Liste der Provinzen mit der höchsten Kinderarbeitsrate an.

In 15 Prozent aller Familien in Sanliurfa gibt es mindestens ein Kind, das arbeitet. Es stellte sich ebenfalls heraus, dass eine große Zahl Kinder mit einem Durchschnittsalter von 14 Jahren körperlicher Gewalt und Misshandlungen in der Arbeitsstätte ausgesetzt sind. Etwa 15 Prozent der Kinder in Sanliurfa, die nicht zur Schule gehen, arbeiten 12 bis 14 Stunden pro Tag, heißt es weiter.

Ein weiterer Bericht des Forschungsinstituts der Konföderation Revolutionärer Arbeitnehmer der Türkei (DİSK-AR) zeigt, dass im vergangenen Jahr Kinder zwischen 6 und 14 Jahren 28 Stunden in der Woche gearbeitet haben. Bei Kindern zwischen 15 und 17 Jahren betrug die wöchentliche Arbeitszeit 45 Stunden und bei Kindern, die nicht zur Schule gehen, bei 54 Stunden. Der bei DISK für den Energiesektor verantwortliche Gewerkschafter Müslüm Baran erklärte, dass die Bemühungen von Einrichtungen, die Kinderarbeit in der Türkei bekämpften, erfolglos gewesen seien und dass Kinderarbeit in den vergangenen Jahren in den Provinzen Mardin, Gaziantep, Kilis und Sanliurfa infolge der von syrischen Flüchtlingen zur Verfügung gestellten billigen Arbeitskräfte im Landwirtschafts- und Dienstleistungssektor zugenommen habe.

In den vergangenen dreieinhalb Jahren haben nach einem Datenbericht des Rates für die Arbeitnehmergesundheit und Arbeitsplatzsicherheit für die Jahre 2013 bis 2016 194 Kinder während der oder auf dem Weg zur Arbeit ihr Leben verloren. Todesursache Nummer eins waren dabei Arbeitswegeunfälle, gefolgt von Vergiftungen, Ersticken, Stürze und Quetschungen. Daten des Statistikinstituts der Türkei (TÜIK) aus dem Jahr 2013 zeigen, dass unter den Kinderarbeitern, die einen Lohn erhalten, 3,4 Prozent Verletzungen erlitten, 34 Prozent unter Erschöpfung litten, ein Drittel nichts zu essen bekamen, 36 Prozent keine freien Tage hatten und 89 Prozent keine bezahlten Urlaubstage hatten.

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