Syrienkonflikt Syrien: Turkmenen-Miliz Sultan-Murat-Brigade befreit al-Rai vom IS

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Syrien: Turkmenen-Miliz Sultan-Murat-Brigade befreit al-Rai vom IS

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Berlin/Dortmund (eurasia/nex) – In einem Statement hat die Syrische Volksversammlung der Turkmenen angesichts der jüngsten Befreiung der mehrheitlich turkmenisch besiedelten Grenzstadt al-Rai, auch als Cobanbey bekannt, weitere Fortschritte der Freien Syrischen Armee gegen die Terrormiliz IS angekündigt. Schon zeitnah könnte die FSA auf Dscharablus vorrücken. Die YPG hingegen verfolge eine imperialistische Agenda auf Kosten der arabischen und turkmenischen Lokalbevölkerung.

Im Laufe der vergangenen Woche ereigneten sich in Nordsyrien zentrale Frontverschiebungen mit Implikationen für die Zukunft des Landes. Die US-geführten Demokratischen Kräfte Syriens, auch SDF genannt, nahmen die Stadt Manbidsch vom IS ein. Die Operationen der SDF, die von der kurdischen YPG dominiert wird, hatten zuvor mehr als zwei Monate angedauert. Weiter nördlich starteten die Turkmenen-Miliz Sultan Murat Brigade und andere FSA-Einheiten eine Offensive auf die vom IS gehaltene Turkmenen-Stadt al-Rai, die auch Cobanbey genannt wird. Am Mittwoch gaben die moderaten Rebellen bekannt, dass sie die Stadt befreiten.

Die Rebellen hatten die Stadt bereits im April kurzzeitig eingenommen. Damals reagierten die Extremisten vom IS allerdings mit einer Terrorwelle von Autobomben, die sie in die Stadt hineinfuhren. Die Stellungen der FSA wurden dadurch zerrüttet, was die Einheiten zum Abzug zwang. Erst am Donnerstag zerstörten die turkmenischen Rebellen der Sultan Murat Brigade drei mit Bomben gefüllte Autos des IS.

Das türkische Nachrichtenportal Suriye Gündemi veröffentlichte eine aktuelle Karte vom Frontverlauf in Nordsyrien. In Grün ist das von der FSA und Turkmenen-Milizen kontrollierte Gebiete zu sehen:

(Foto; Twitter/Suriye Gündemi)
(Foto; Twitter/Suriye Gündemi)

Auch am Freitag führte der IS Angriffe zur Rückeroberung der Stadt aus. Dabei bedient sich die Extremistenmiliz erneut der Autobomben. Die Rebellen schlagen diese bislang erfolgreich zurück:

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Der Region zwischen Cobanbey und der weiter östlich gelegenen Stadt Dscharablus ist Teil jener Linie in Richtung Azez im Osten, die als strategisch besonders bedeutsam erachtet wird. Insbesondere die Freie Syrische Armee möchte nach der Befreiung von Cobanbey als nächstes Dscharablus vom IS einnehmen. Doch auch die kurdische YPG, die über die Schirmorganisation SDF von den USA unterstützt wird, möchte Dscharablus neben der weiter im Südosten gelegenen Stadt el-Bab erobern. Das Ziel der YPG, die überdies als syrischer Ableger der verbotenen PKK gilt, ist es, ein geografisch zusammenhängendes „Kurdistan“ entlang der türkischen Grenze zu schaffen. Deshalb zielt es die umstrittene Kurden-Organisation darauf ab, den Korridor von Azez nach Dscharablus unter ihren Einfluss zu bringen, um alle drei von ihr kontrollierten Kantone auch territorial zu vereinen. Das lehnt die FSA vehement ab, nicht zuletzt, weil die Lokalbevölkerung zwischen Azez und Dscharablus mehrheitlich nicht kurdisch ist und den nationalistischen Kurs der YPG ablehnt.


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Dem IS stehen in Nordsyrien nichtsdestotrotz erhebliche Spannungen bevor. Sollte die YPG el-Bab einnehmen, würde der IS in Nordaleppo im Sandwich zwischen FSA und YPG von seiner selbsternannten Hauptstadt Rakka isoliert werden. Der Kampf um das sich ergebende Machtvakuum des IS in Nordsyrien wird die Spannungen zwischen der FSA, die von der Türkei unterstützt wird, und der YPG und ihrer SDF nochmals zuspitzen. Neue Kämpfe zwischen beiden Fraktionen sind nicht unwahrscheinlich.

Die YPG ist als Zweig der PKK ein fragwürdiger Partner bei der Bekämpfung der Terrormiliz „Islamischer Staat“. Zahlreiche westliche und lokale Menschenrechtsorganisationen beschuldigten die Kurden-Miliz in der Vergangenheit, Menschenrechtsverletzungen gegen Dissidenten und Minderheiten verübt zu haben. Beispielsweise wurden in der nördlich von Rakka liegenden Stadt Tell Abyad zehntausende Turkmenen und sunnitische Araber gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die meisten Bürger Tell Abyads leben heute in Flüchtlingscamps in der Türkei.

Anfang dieser Woche nahmen Sicherheitskräfte der YPG willkürlich hochrangige Parteivertreter des oppositionellen Kurdischen Nationalrates (KNC) fest.

Die Syrische Volksversammlung der Turkmenen fordert für die Region zwischen Azez und Dscharablus die Einführung einer Flugverbotszone. Dieses Ansinnen wird von der Türkei, Frankreich und anderen internationalen Akteuren unterstützt. Die Umsetzung einer Flugverbotszone wird das Leben zahlreicher unschuldiger Zivilisten im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ schützen und den Kampf der Turkmenen am Boden beschleunigen.

Die Erklärung wurde vom Außenpolitik-Berater der Syrischen Volksversammlung der Turkmenen, Cemil Dogac Ipek, verfasst.


Erschienen bei unserem Kooperationspartner Eurasianews

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