Türkei Marmaris: Erdoğans „Putsch-Hotel“ wird zum Tourismusmagneten

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Marmaris: Erdoğans „Putsch-Hotel“ wird zum Tourismusmagneten

Die Region um Marmaris könnte nach dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli noch vor einem versöhnlichen Ausklang der Tourismus-Saison stehen. Das Hotel, in dem Präsident Erdoğan am Tag des versuchten Staatsstreichs seinen Urlaub verbracht hatte, lockt nun neugierige Touristen an.

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(Foto: MNG Turizm)

Marmaris (nex) – Erst hatten die Putschisten vom 15. Juli den Schaden des gescheiterten Staatsstreichs, jetzt haben sie auch noch den Spott: Der Hotelkomplex in Marmaris, aus dem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan den Putschisten entkam, ist zum Touristenmagneten geworden.

Die Hotelanlage könnte dem Ferienort nach einer schwierigen Phase für den Fremdenverkehr in diesem Jahr sogar noch einen versöhnlichen Abschluss bereiten. İsmail Kuru, der Chefmanager des Hotelkomplexes Grand Yazıcı Turban an der Ägäis-Küste von Marmaris, das Erdoğan wenige Minuten vor dem Angriff verlassen hatte, bei dem das Hotel während des Putschversuches mit Schusswaffen und Schüssen aus Helikoptern angegriffen worden war, erklärte, es habe seit dem 15. Juli einen enormen Anstieg der Buchungszahlen gegeben.

Zu einem späteren Zeitpunkt, als der Putschversuch noch im Gange war, wandte sich Erdoğan von dem Hotel aus über den Fernsehsender CNN Türk über FaceTime an die Bevölkerung und forderte diese dazu auf, auf die Straßen zu gehen und dem Putsch entgegenzutreten. Insgesamt wurden in den Tagen nach dem Angriff elf Soldaten festgenommen, die versucht hatten, das Hotel in Marmaris zu erstürmen. „Viele Neugierige haben bereits für den kommenden Feiertag zu Eid al-Adha gebucht, um unser Hotel und die Umgebung zu sehen“, erklärte Kuru gegenüber türkischen Medien.

Die viertägigen Feierlichkeiten zum Opferfest beginnen am 12. September. An diesem Tag soll auch eine Urlaubssperre für öffentlich Bedienstete enden, die nach dem Putschversuch vorübergehend verhängt worden war, was zu einem zusätzlichen Ansturm an Touristen – vor allem aus dem Inland – führen dürfte. Auch İsmail Özbozdağ, der lokale Vorsitzende der Vereinigung türkischer Reiseveranstalter (TÜRSAB), bestätigte, dass die Tatsache, dass Erdoğan seine Ferien in Marmaris verbrachte und das Hotel nach dem Putsch in den Medien zu sehen war, zu einem deutlichen Nachfrageanstieg nach Zimmern geführt habe.

Die Regierung hat die viertägigen Feierlichkeiten zu Eid al-Adha, die am Montag, dem 12. September beginnen, auf eine Woche ausgedehnt, um so den Tourismussektor zu stützen, der in diesem Jahr bislang schwer unter den politischen Verwerfungen in der Region gelitten hat. Marmaris hatte jedoch bereits während der Feiertage zu Eid ad-Fitr, einem der beiden großen religiösen Feiertage in der Türkei, der in die Hochsaison fiel, einen enormen Ansturm erlebt, so Özbozdağ. „Menschen mussten damals im Freien übernachten, in ihren Autos oder in Zelten, die sie hier gekauft hatten“, so der Verbandschef.

Der Tourismus hatte in der gesamten Türkei – insbesondere in den ägäischen und mediterranen Küstenregionen – an einer Reihe von Terroranschlägen und der diplomatischen Krise mit der Russischen Föderation nach dem Abschuss des Su-24-Kampfflugzeugs an der syrischen Grenze im November 2015 gelitten. Der Tourismus aus der Russischen Föderation, dem größten Markt für den türkischen Fremdenverkehr, hat dem TÜRSAB-Vorsitzenden Başaran Ulusoy, um 87,4 Prozent auf 183 828 abgenommen. Angesichts der jüngsten Normalisierung der Beziehungen zwischen Russland und der Türkei hofft die Tourismusbranche nun auf eine spürbare Erholung im nächsten Jahr.

 


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