Anti-Putsch-Proteste Türkei: Mit dem LKW gegen Putsch-Panzer

Anti-Putsch-Proteste
Türkei: Mit dem LKW gegen Putsch-Panzer

Während man in Deutschland dem gescheiterten Putsch nachzutrauern scheint und vielmehr mit dem putschenden Militär symphatisiert, berichten immer mehr Protestler voller Stolz von ihren Erlebnissen der Putsch-Nacht.

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(Foto: AA)

Istanbul (nex/aa) – Als Serife Boz erfuhr, dass ein Putschversuch im Gange sei, um die türkische Regierung zu stürzen, sprang sie in ihren LKW und fuhr so viele Menschen wie möglich zu Plätzen in Istanbul, auf denen gegen den Putsch protestiert wurde.

„Ich kann den LKW fahren. Ich hatte das Gefühl, als würde ich zum Krieg gehen“, erzählt sie und fügt hinzu:

„Meine Kinder, Enkel und ich gingen in das Taksim-Viertel.“

Der 50-Jährigen schloss sich noch schnell ihre Freundin und Nachbarin Sema Tutar an, die erklärt, dass sie den Militärpanzern auf den Straßen während des Putschversuchs in der vergangenen Freitagnacht habe Widerstand leisten wollen.

„Wir gingen auf die Straße für die Zukunft unserer Kinder“, erklärt die 61-Jährige. „Wir schützten unser Land und ich hoffe, dass wir eine bessere Zukunft haben werden.“

Ein Foto, auf dem Serife und Sema im LKW nebeneinandersitzen, ging viral und wurde zum Symbol der Anti-Putsch-Proteste, die zur Vereitelung des tödlichen Putschversuchs führten.

Der türkische Ministerpräsident brach in Tränen aus, als er das Foto der beiden Frauen sah, die vorne im LKW sitzen und Protestteilnehmer befördern, die ihrerseits türkische Fahnen schwenken.

Serife sagt, sie würde mit ihrem LKW überall hingehen, wenn nur Präsident Recep Tayyip Erdogan und Yildirim sie darum bäten. Der Putsch wurde von abtrünnigen Elementen des türkischen Militärs zum Sturz der demokratisch gewählten Regierung des Landes angezettelt.

Mindestens 246 Menschen, darunter Sicherheitskräfte und Zivilisten, wurden während der Proteste gegen den vereitelten Putschversuch getötet und weitere 1.530 verletzt.

Die türkische Regierung erklärte, dass der Putschversuch von Anhängern des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen organisiert worden sei. Gülen wird vorgeworfen, durch die Gründung eines Parallelstaates seit Jahren für den Sturz der Regierung mithilfe seiner Unterstützer zu kämpfen, die den türkischen Staat vor allem in den Bereichen Militär, Polizei und Justiz infiltriert hätten.

 

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