Türkei Augenzeugen: Putsch-Soldaten schossen auf Rettungssanitäter

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Augenzeugen: Putsch-Soldaten schossen auf Rettungssanitäter

„Die Rettungswagen wurden trotz der Durchsagen angegriffen. Die Sanitäter durften die Verletzten nicht in die Krankenwagen hineinbringen“, so eine Zeugin.

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(Foto: AA)

Ankara (nex/aa) – Die Gegenprotestler des vereitelten Putschversuchs berichteten der Nachrichtenagentur Anadolu, dass Rettungswagen und -sanitäter im Zuge des Putschversuchs angeschossen worden seien

Die sogenannte FETÖ- Organisation, die am 15. Juli einen gescheiterten Putschversuch durchführte, habe nach der Aussage einer Augenzeugin auch medizinisches Personal, das verwundete Zivilisten behandelte, und Rettungswagen in Ankara angegriffen.

Die siebzehnjährige Studentin Sinem Cinar berichtete einem Korrespondenten der Nachrichtenagentur Anadolu, dass pro-Putsch-Soldaten auf Zivilisten, die sich vor dem Präsidentschaftspalast in der türkischen Hauptstadt versammelt hatten, das Feuer eröffnet hätten.

Cinar sagte, dass das medizinische Personal und die Rettungswagen vor Ort zwar eingetroffen, dann aber auch diese angeschossen worden seien.

„Werdet ihr auch auf uns schießen?“, sollen, so Cinar, die Rettungssanitäter gefragt haben

„Die Rettungswagen wurden trotz der Durchsagen angegriffen. Die Sanitäter durften die Verletzten nicht in die Krankenwagen hineinbringen“, fügte sie hinzu.

Die Studentin erzählte weiter, dass die Rettungskräfte wegen der Schüsse, die zum Tode von mehreren Protestteilnehmern geführt hätten, nicht in der Lage gewesen seien, ihre Arbeit auszuführen.

Ein weiterer Augenzeuge vor dem Präsidentschaftspalast, Güngör Gürleyük, berichtete der Nachrichtenagentur Anadolu, dass von Panzern auf Zivilisten geschossen worden sei. Gürleyük behauptete, dass ein Scharfschütze vom Gebäude des Gendarmeriekommandos aus auf ein Kind geschossen habe.

„Ich weiß, woher die Schüsse kamen“, so Gürleyük. „Auf das Kind wurde gezielt geschossen. Als die Schüsse aufhörten, versuchten wir, uns dem Kind zu nähern, aber da fingen sie dann wieder an. Wir kamen unbewaffnet hierher. Wir stellten uns dem türkischen Militär, aber ohne Waffen. Wir sagten zu ihnen, dass der Staat auf niemanden schießen würde, der eine türkische Fahne dabeihat“, habe er gesagt.

Nach internationalem Recht gelten Angriffe auf Zivilisten und medizinisches Personal – auch im Kriegsfall – als ein Verbrechen.

Die türkische Regierung erklärte, dass der Putschversuch von Anhängern des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen organisiert worden sei. Gülen wird vorgeworfen, durch die Gründung eines Parallelstaates seit Jahren für den Sturz der Regierung mithilfe seiner Unterstützer zu kämpfen, die den türkischen Staat vor allem in den Bereichen Militär, Polizei und Justiz infiltriert hätten.

Der tödliche Putschversuch begann in der vergangenen Freitagnacht, als abtrünnige Elemente im türkischen Militär die demokratisch gewählte Regierung des Landes stürzen wollten. Mindestens 246 Menschen, darunter Sicherheitskräfte und Zivilisten, wurden während der Proteste gegen den vereitelten Putschversuch getötet und weitere 1.530 verletzt.

 

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