Türkische Außenpolitik Erdogan: „Normalisierung mit Russland und Israel folgt einem Win-Win-Prinzip“

Türkische Außenpolitik
Erdogan: „Normalisierung mit Russland und Israel folgt einem Win-Win-Prinzip“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat im Rahmen einer Iftar-Veranstaltung die jüngsten Veränderungen in der Außenpolitik des Landes erläutert. Anlässlich des Terroranschlags in Istanbul machte er deutlich, dass die Türkei sich durch den Terror nicht einschüchtern lassen werde.

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(Foto: AA)

Ankara (nex) – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte am Mittwoch, die Schritte in Richtung einer Normalisierung der Beziehungen zu Israel und zur Russischen Föderation beruhten auf einem „Win-Win-Prinzip“. Man habe nie im Sinn gehabt, einseitige Schritte zu unternehmen, betonte Erdogan auf einer Iftar-Veranstaltung in Ankara. Alle Schritte wären von der Prämisse geleitet worden, dass alle Beteiligten profitieren müssten. „In anderen Worten, sowohl die Türkei als auch Israel, sowohl die Türkei als auch Russland müssten gewinnen“, so Erdogan.

Zuvor hatte Erdogan am Mittwoch mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Vladimir Putin, telefoniert. Beide Staatsoberhäupter betonten dabei die Wichtigkeit der Normalisierung der bilateralen Beziehungen zwischen den Ländern. Es war das erste Gespräch zwischen Erdogan und Putin seit dem Abschuss des russischen Militärjets an der türkisch-syrischen Grenze vor sieben Monaten. Erdoğan bezeichnete die Konversation als „für beide Länder nutzbringend“. Es werde auch ein persönliches Gespräch geben, wenn beide Politiker im Oktober am G20-Gipfel in China teilnehmen. Bereits am Freitag werden die Außenminister beider Länder, Mevlüt Cavusoglu und Sergej Lawrow, in Sotschi zusammentreffen. „Wir haben uns auf schnelle Maßnahmen bezüglich des Tourismus geeinigt“, erklärte Erdogan. Ab sofort seien die türkischen Grenzen für russische Touristen und Geschäftsreisende offen, ebenso in der Gegenrichtung.

Was die Einigung mit Israel anbelangt, gab Erdogan seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Versöhnung „nutzbringend für die Palästinenser“ sein würde und er kündigte an, dass das erste Schiff mit humanitärer Hilfe für Palästina am Freitag eintreffen werde.

Erdogan betonte 24 Stunden nach dem blutigen Anschlag auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul, die Türkei werde auch im Angesicht terroristischer Angriffe nie ihre Ziele und Ideale preisgeben. Diejenigen, die auf dem Flughafen Zivilisten töteten, haben „sich ihren Platz in der Hölle bereitet“, erklärte Erdogan und erinnerte an die Worte aus dem Koran: „Wenn jemand einen Menschen tötet (…), so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet.“ Erdogan machte darauf aufmerksam, dass sich unter den Opfern des Anschlages, hinter dem die Terrormiliz IS vermutet wird, sowohl türkische als auch ausländische Staatsangehörige befunden hätten, auch Frauen, Kinder und ältere Menschen.

Die Türkei durchlebe derzeit eine „schwere Prüfung“ als „ein Land, das Zielscheibe der blutigsten Terrororganisationen der Welt ist“. Erdogan hege jedoch nicht den geringsten Zweifel, dass die Türkei dieser Gefahr standhalten werde. „Früher oder später werden wir das überwinden“, erklärte der Präsident. Erdogan bedankte sich auch bei den politischen Führern der Welt, darunter Putin US-Präsident Barack Obama und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, für ihre Anteilnahme, die sie telefonisch oder in Kondolenzschreiben zum Ausdruck gebracht hätten.

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