Missionsarbeit Zentralrat der Muslime kritisiert aggressive Missionierung von Flüchtlingen durch Kirchen

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Zentralrat der Muslime kritisiert aggressive Missionierung von Flüchtlingen durch Kirchen

„Die Glaubensfreiheit ist ein Grundrecht“, so Mazyek in einem Interview. „Aber die Kirchen sollten es unterlassen, Flüchtlinge in dieser Richtung zu beeinflussen."

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(Foto: AA)

Berlin (nex) – Die steigende Zahl der konvertierenden Flüchtlinge machte zu Beginn dieses Monats in den deutschen Medien Schlagzeilen, als etwa 80 muslimische Flüchtlinge aus dem Iran und Afghanistan mit einer Taufzeremonie in einer evangelischen Kirche in Hamburg zum Christentum übertraten

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, vertrat die Ansicht, dass die Entscheidung über den Asylstatus eines Flüchtlings nicht von dessen ethnischer oder religiöser Identität abhängig gemacht werden sollte.

„Die Glaubensfreiheit ist ein Grundrecht“, erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu. „Aber die Kirchen sollten es unterlassen, Flüchtlinge in dieser Richtung zu beeinflussen. […] Wir erwarten von den Kirchen, dass sie von aggressiver Missionsarbeit absehen, so wie wir das auch von den Muslimen erwarten.“

Mazyek wies darauf hin, dass ihm Informationen über die steigende Zahl der in den vergangenen Monaten zum Christentum konvertierten Flüchtlinge vorlägen. Doch der Zentralrat der Muslime habe dazu keine konkreten Zahlen, fügte er hinzu.

Der Pfarrer der besagten Kirche, Albert Babajan, erklärte Anfang dieses Monats gegenüber der Wochenzeitschrift „Stern“, dass er bereits 196 Afghanen und Iraner bei ihrer Konversion begleitet habe und bis zum Ende des Jahres weitere 500 Taufen anstünden.

Mehrere Kirchen in Hannover und Berlin haben spezielle Kurse zur Einführung von Asylsuchenden in das Christentum auf Persisch, Arabisch und Dari gestartet.

Es konvertieren hauptsächlich Flüchtlinge aus dem Iran, Afghanistan und Pakistan zum Christentum, deren Chancen auf Anerkennung von Asyl in Deutschland wesentlich geringer ist als die der syrischen Flüchtlinge.

Mit dem Argument, dass sie in ihrer Heimat wegen ihres Übertritts zum Christentum die Todesstrafe erwarte, versuchen sie, ihre Chancen auf eine positive Antwort auf ihren Asylantrag vonseiten der Behörden zu erhöhen.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurden im Jahr 2015 acht Prozent der Asylanträge pakistanischer Staatsbürger angenommen, bei den Afghanen waren es 29 und bei den iranischen Staatsangehörigen 60 Prozent.

Im vergangenen Jahr wurden 96 Prozent der Asylanträge syrischer Flüchtlingen angenommen.

 

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