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"Solidarität mit allen Opfern"
Tochter des Kremlsprechers: „Warum ist das Internet nicht mit Türkeiflaggen überzogen?“

Lisa Peskow kritisiert internationale Gemeinschaft für unterschiedliche Reaktionen auf Terroranschläge in Ankara und Europa.

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Lisa Peskova (Foto: aa)

Moskau (nex) – Lisa Peskova, Tochter des Kremlsprechers Dmitri Peskow, hat ihre Kritik gegen die internationale Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht, die die jüngsten Anschläge in Ankara und Istanbul ignoriert, mit den Terroropfern in Europa jedoch Solidarität gezeigt habe.

Peskova teilte ein Instagramfoto mit dem Untertitel: „Warum ist das Internet nicht mit Türkeiflaggen überzogen? Ist der Tod von Menschen, die an einem Sonntagabend in Ankara nachhause zurückkehrten, weniger bedeutend als der Tod von Menschen in Paris? Teilen wir Terroranschläge in wichtige und weniger wichtige ein?“

„Ich bin in der Türkei geboren, ich habe in Russland und Frankreich studiert“, erklärte Peskova. „Unter meinen Freunden befinden sich Tschetschenen, Kurden, Türken, Europäer, Araber… Für mich bedeuten Terroranschläge in Russland, Frankreich und der Türkei persönliche Trauer, denn ich fühle mich mit diesen drei Ländern besonders verbunden. Aber mir tun Menschen auf der ganzen Welt unendlich leid, die diesem Horror ausgesetzt sind.“

Die Tochter des Kremlsprechers betonte, dass der einzige Weg zum Sieg über den Terror der sei, aufzuhören, die Anschläge in erst- und zweitrangige einzuteilen und nach jedem Terroranschlag Solidarität zu zeigen. Lisa Peskova beendete ihr Statement mit einer Botschaft auf Türkisch: „Türkiye, ailem ve ben sizinle beraber! üzgünüz!“ („Türkei, meine Familie und ich, wir sind bei dir! Es tut uns so leid!“)

Eine Reihe von Explosionen, zu denen sich die Terrororganisation IS (Daesh) bekannte, traf am 22. März 2016 einen Flughafen und eine U-Bahn-Station in Brüssel. Dabei wurden 31 Menschen getötet und weitere 136 verletzt.

Der Anschlag wurde von führenden Politikern auf der ganzen Welt sofort verurteilt und ging auch in den sozialen Medien wie Twitter und Facebook viral. Zudem zeigten viele Metropolen rund um die Welt – von Nordamerika bis zu Ländern des Nahen Ostens – ihre Sympathie und Solidarität, indem sie nationale Monumente, Gebäude und Denkmäler in den belgischen Nationalfarben anstrahlten.

Eine solche Haltung ist ein Zeichen der Solidarität und der Wut gegen gezielte Terroranschläge auf unschuldige Zivilisten, die man bei jedem Anschlag von der internationalen Gemeinschaft erwarten darf.

Jedoch blieben die Aufmerksamkeit, die Sympathiebekundungen und die Solidarität, deren Zeuge man nach den jüngsten Anschlägen in Ankara und Istanbul wurde, weit hinter denen nach den Anschlägen in Paris im letzten Jahr und in Brüssel am 22. März dieses Jahres zurück.

Am 13. März hatte eine extremistische Splittergruppe der PKK-Terrororganisation einen Autobombenanschlag in Ankara verübt, dem 35 Zivilisten zum Opfer fielen.


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In der darauffolgenden Woche, am 19. März 2016, tötete auf dem Istiklal-Boulevard, einem der belebtesten Einkaufs- und Touristenmeilen von Istanbul, ein IS (Daesh)-Selbstmordattentäter fünf Menschen und verletzte 36 weitere.

Viele User der sozialen Medien brachten ihr Unverständnis zum Ausdruck: „Ihr wart Paris, ihr seid Brüssel, aber ihr wart nicht Ankara.“

Der Twitternutzer Bison C. Messink (@bisonmessink) schrieb: „Es ist gut, die unterschiedlichen Reaktionen und den Grad des Aufschreis nach den Anschlägen in Paris und Brüssel vs Ankara vs Kabul zu sehen. Sagt einiges über uns aus.“

Ein anderer Twitternutzer, Yasin Tuncer (@yasin_tuncer) meinte: „Habt ihr letzte Woche irgendeine auf den Eiffelturm projizierte oder auf dem Place Bellecour gehisste Türkeiflagge für die Opfer von Ankara und Istanbul gesehen?“

Humera Shamsuddin (@humsiee) fragte: „Es ist einfach, nach den Terroranschlägen in Paris&Brüssel Schmerz/Traurigkeit wegen der Opfer zu empfinden, aber warum nicht auch wegen denen in Ankara oder Nigeria?!“

Zwei in der britischen Webzine „The Independent“ erschienene Artikel kritisierten ebenfalls die vorherrschende voreingenommene Haltung. Yasmin Ahmeds Beitrag trug den Titel „Die Downing Street hisst die Belgienflagge und wir twittern für Brüssel – aber wo war dieses Mitgefühl nach Ankara geblieben?“. Samuel Osborne meinte: „Bombenanschläge in Brüssel: Die Reaktionen in den sozialen Medien auf die Anschläge sind, verglichen mit denen nach Ankara, als unverhältnismäßig zu kritisieren“.

Yasmin Ahmed schreibt: „Unsere Gleichgültigkeit und wie leichtfertig wir den Islam verdächtigen – das treibt Terrororganisationen wie IS (Daesh) noch weiter an.“

 

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