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Kirche gegen AfD
Kardinal Woelki gegen AfDs Anti-Islam-Politik

Mit deutlicher Kritik reagierte Kölns Kardinal Woelki in einer Videobotschaft auf die jüngsten islamfeindlichen Äußerungen führender AfD-Politiker. Während die islamische Religionsausübung und der Bau von Minaretten durch das Grundgesetz geschützt seien, stünden die islamfeindlichen Parolen der AfD möglicherweise nicht mehr auf dessen Boden.

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Köln (nex) – Der Kardinal von Köln, Rainer Maria Woelki, hat den jüngst bekannt gewordenen Plänen der Alternative für Deutschland (AfD), sich ein „islamkritisches“ Programm zu geben, in einer Videobotschaft eine klare Absage erteilt.

„Eine ganze Religion, ja, eine der großen Weltreligionen wird hier in gehässiger Absicht an den Pranger gestellt“, bemerkte Woelki mit Blick auf den unter anderem von den Vizeparteichefs Beatrix von Storch und Alexander Gauland forcierten Versuch, Meme aus dem Bereich des antimuslimischen Rassismus wie von wegen „der Islam“ wäre eine „Ideologie“, die „nicht mit dem Grundgesetz vereinbar“ wäre, in das offizielle Programm einer politischen Partei zu reklamieren.

Woelki wirft angesichts der offenkundigen Absicht der AfD, ein Sonderrecht für Muslime zu schaffen mit dem Ziel, diese gezielt zu schikanieren und in ihrer Religionsausübung zu behindern, die Frage auf, ob es nicht vielmehr diese politischen Ziele der AfD wären, die gegen das Grundgesetz verstoßen würden.

„Wer Muslime, so wie die AfD-Parteispitze, verunglimpft, der sollte sich klar machen, dass Gebetshäuser und Moscheen hier genauso durch das Grundgesetz geschützt sind wie unsere Kirchen und Kapellen“, erklärte Woelki in seinem jüngst über domradio.de verbreiteten Statement.

Ein Blick ins Grundgesetz hätte gereicht, so Woelki, um festzustellen, dass in Deutschland Religionsfreiheit gelte. So dürfe niemand, weder Christen noch Muslime, aufgrund seines Glaubens diskriminiert oder verfolgt werden. „Nie wieder dürfen bei uns Menschen aufgrund ihrer Rasse, Herkunft oder Religion ausgegrenzt und verfolgt werden“, machte der Kardinal deutlich und zog den Schluss:  „Nein, solche Alternativen für Deutschland brauchen wir nicht!“

Die Botschaft Rainer Maria Woelkis folgt dem seit mehreren Jahrzehnten auch vom Vatikan verfochtenen Kurs, eine Solidarität unter den Gläubigen der Weltreligionen aufzubauen, um die religiösen Rechte aller gegen deren Infragestellung durch säkularistische Ideologien zu verteidigen.

Von Europa ausgehend hatten vor allem politische Ideologien wie Kommunismus, Nationalsozialismus oder auch ein radikaler Säkularismus aktiv versucht, die Ausübung von Religion und die Weitergabe religiöser Überlieferungen zurückzudrängen und zu unterminieren, um auf diese Weise Konkurrenz zur jeweiligen verbindlichen Staatsideologie auszuschalten.

In Parteien der AfD engagieren sich jedoch zahlreiche Christen, die glauben, die Zurückdrängung der religiösen Konkurrenz in Form des Islam durch den Staat würde ihnen am Ende größeren Spielraum ermöglichen, um das in Europa immer stärker an Bedeutung verlierende Christentum wiederzubeleben. Auf den Rückhalt Kardinal Woelkis können sie dabei offenbar nicht zählen.

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