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Türkisch als Amtssprache
Zypriotischer Politiker schlägt Türkisch als EU-Amtssprache vor – Britische Medien laufen Sturm

Die jüngste Initiative Brüssels, Türkisch zu einer der offiziellen Amtssprachen der Europäischen Union zu machen, hat die britische Rechte in Alarmstimmung versetzt.

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(Foto: fanatik)

London (nex) – Die jüngste Initiative Brüssels, Türkisch zu einer der offiziellen Amtssprachen der Europäischen Union zu machen, hat die britische Rechte in Alarmstimmung versetzt.

So bezeichnet die Tageszeitung „Daily Express“ den Vorschlag als „Horror“ und als einen Versuch, „vollendete Tatsachen“ bezüglich eines EU-Beitritts der Türkei trotz vieler Vorbehalte in der Bevölkerung zu schaffen. Die der euroskeptischen U.K. Independence Party (UKIP) nahe stehende Zeitung brachte die Initiative ausschließlich in einen Zusammenhang mit dem EU-Beitrittsprozess.

Tatsächlich hat der Schritt ungleich mehr mit der Tatsache zu tun, dass etwa zehn Millionen Türken als Einwohner von Mitgliedsstaaten unter der Jurisdiktion der EU stehen. Das entspricht der Einwohnerzahl Ungarns und stellt eine höhere Zahl dar als die Gesamteinwohnerzahl von 16 der 28 EU-Mitgliedsländer.



Der Vorschlag, Türkisch zur Amtssprache zu erheben, kam vom griechisch-zyprischen Präsidenten Nicos Anastasiades. Das Europäische Parlament hat sich am 14. April mit 375 gegen 133 Stimmen für diese Initiative ausgesprochen. Zypern ist seit 1974 in einen griechischen und einen türkischen Teil gespalten, derzeit bemühen sich Unterhändler beider Seiten sowie der Schutzmächte Griechenland und Türkei, eine Wiedervereinigung der Insel auf den Weg zu bringen.

Die internationale Gemeinschaft betrachtet den griechischen Teil Zyperns als Rechtsnachfolger des 1960 gegründeten und 2004 in die EU aufgenommenen Staates, der zuvor britische Kolonie war. Die Türkische Republik Nordzypern (TRNC), deren Bevölkerung sich aus 313 000 zyprischen Türken und 150 000 türkischen Staatsangehörigen zusammensetzt, wird nur von der Türkei diplomatisch anerkannt.

Türkische Zyprer werden jedoch als EU-Bürger mit allen Rechten und Pflichten angesehen, obwohl ihr Territorium nicht unter der Kontrolle der griechischen Administration in Nikosia steht. Anastasiades und der türkisch-zyprische Präsident Mustafa Akinci zeigten sich zuletzt optimistisch, bis Ende des Jahres 2016 eine Vereinbarung über einen Wiedervereinigungsprozess der Insel auf den Weg bringen zu können.

Die Kosten für die Erhebung des Türkischen zur Amtssprache sollen bei 31 Millionen Euro liegen, schreibt der „Daily Express“ weiter, auch das sei ein „Beweis“ dafür, dass die Türkei auf jeden Fall in die EU aufgenommen werden sollte. Der Gesamtetat der EU liegt bei 155 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten und 144 Milliarden an Zahlungen.

Am 23. Juni wird Großbritannien über einen möglichen EU-Austritt abstimmen. Einen Beitritt der Türkei, die den fünftgrößten Handelspartner der EU darstellt, als Schreckgespenst zu verkaufen, soll den Austrittsbefürwortern auf den letzten Metern noch einmal zusätzlichen Auftrieb geben.

Neben Millionen türkischer Einwanderer, die in den 1950er und 1960er Jahren nach Europa gekommen waren, um dem Arbeitskräftemangel gegenzusteuern, lebt eine große Anzahl an Türken als Teil der autochthonen Bevölkerung in Griechenland, Bulgarien und Rumänien sowie den möglichen Beitrittsländern Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien und Serbien.

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