Kampf gegen Terror Verbindung zwischen PKK und PYD/YPG ist seit Jahren dokumentiert

Kampf gegen Terror
Verbindung zwischen PKK und PYD/YPG ist seit Jahren dokumentiert

Dass eine Steuerung der syrischen PYD durch die PKK seit ihrer Gründung tagtägliche Realität ist, geht aus eigenen Dokumenten der Terroristen hervor. Aber auch diplomatischen Kanälen der USA und dem deutschen Verfassungsschutz sind diese nicht entgangen.

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(Foto: nex)

Diyarbakır (nex) – Auch wenn die terroristische PKK und die in Syrien operierende PYD seit 2012 versuchen, jedweden Hinweis auf eine organisatorische Verbindung untereinander zu verwischen – nicht zuletzt, um die Unterstützung des syrischen Ablegers durch die USA nicht zu gefährden -, sprechen Archive, Untersuchungen und Zeugenaussagen eine klare Sprache.

Ein jüngst vom Atlantischen Rat publizierter Bericht hat eine hohe Präsenz türkischer Staatsangehöriger in den bewaffneten Milizen der PYD, der YPG, festgestellt. Die YPG hatte seit 2012 von der syrischen Armee geräumte kurdische Städte im Norden des Landes eingenommen. Etwa 50 Prozent der zwischen 2013 und 2016 in Kampfhandlungen getöteten YPG-Mitglieder waren türkische Staatsangehörige. Auch der derzeitige Vorsitzende der PYD, Salih Muslim, äußerte sich zum hohen Anteil von PKK-Anteil unter den YPG-Angehörigen gegenüber der Londoner Zeitung Al-Quds Al-Arabi mit den Worten: „Es ist sehr natürlich für einen Kurden, der vorher in den Bergen [bei der PKK] war, jetzt sein Land zu verteidigen.“ Die enge Verbindung zwischen PKK und PYD besteht jedoch nicht erst seit dem Vormarsch der IS-Miliz auf Kobani. Es gibt bereits seit wesentlich längerer Zeit starke organische Beziehungen zwischen beiden Gruppen.

PYD von Öcalan-Bruder gegründet

Selbst die Gründung der PYD war ein Werk der PKK, nachdem die Organisation 1988 gezwungen war, infolge der türkischen Kriegsdrohungen gegen Hafez al-Assad nach 19 Jahren ihr ursprüngliches Hauptquartier in Syrien zu räumen. Die PYD wurde offiziell erstmals 2002 in der PKK-Zeitung Serxwebûn im Zusammenhang mit den Dokumenten zum 8. Generalkongress der PKK erwähnt.

Bereits damals waren 20 Prozent der PKK-Kämpfer syrische Staatsangehörige und die Dunkelziffer war noch höher, weil es eine Reihe syrischer Kurden gab, die als nicht erfasst galten, da die syrische Regierung ihnen die Staatsbürgerschaft vorenthielt. Osman Öcalan, der Bruder des inhaftierten PKK-Führers, erklärte in einem 2013 geführten Interview mit dem irakischen TV-Sender Zelal, er selbst habe 2003 die PYD gegründet, ebenso wie die PJAK, den iranischen Arm der Terrororganisation. „Wir verwendeten das Wort ‚Kurdistan‘ nicht im Namen, um nicht das syrische Regime zu provozieren. Die PYD ist mit der PKK verbunden und gehorcht ihren Befehlen.“

 

Auch gegenüber Yeni Akit erklärte der Öcalan-Bruder, die PKK habe die Gründung der PYD beschlossen und Kader trainiert. Man habe dies auch mit Blick auf eine mögliche US-Intervention in der Region gemacht. 2004 sollte es eine massive Aktion syrischer Sicherheitskräfte gegen PKK-nahe Kreise in Syrien geben. Die heute noch in der PYD verehrten fünf Gründer waren PKK-Kader. Nach dem kompromisslosen Vorgehen der syrischen Regierung gegen die PKK-Anhänger in Syrien entschloss sich die PYD, ihre politische Führung in den Nordirak zu evakuieren.

Die Protagonisten wurden jedoch später in Mosul liquidiert. Ihr Andenken wird heute noch in den Reihen der PYD gepflegt. Die PYD ist ebenso – wie auch die iranische Fassung der PKK – Teil des Dachverbandes KCK (Union der kurdischen Gemeinschaften), der im April 2007 gegründet wurde und in dem neben der PKK auch noch die ideologischen Verbündeten im Irak, in Syrien und im Iran vertreten sind, um dort eine koordinierte Willensbildung in parlamentsähnlicher Form zu gewährleisten.

KCK als Dachstruktur aller PKK-Ableger

Die PKK selbst stellte die KCK als einen Dachverband vor, der den ideologisch der PKK nahestehenden Kurden in allen Nationalstaaten aufträgt, ihre lokalen Gruppen zu gründen und unter dem Banner der KCK ein Modell für „demokratischen Konföderalismus“ zu bilden. Organisatorisch bleibt die PYD vollständig in die Hierarchie und organisatorische Struktur von KONGRA-GEL (dem „Parlament“ der KCK-Organisationen, das von der PKK dominiert wird) und die Befehlskette, an deren Spitze Abdullah Öcalan steht – den auch die PYD als ihren Führer betrachtet.

Die PKK/KONGRA-GEL, die auch in dieser Form von den USA als terroristische Organisation erkannt wird, verfügt über eine direkte Autorität über die PYD. Erst 2015 wurde in einem neuen internen Papier die Referenz zu diesem „Kongress“ entfernt. Nachdem der 2010 an die Spitze der PYD gewählte Salih Muslim auf Grund des Drucks vonseiten der Regierung in Damaskus aus Syrien fliehen musste, errichteten PKK und PYD in den nordirakischen Bergen von Kandil ein gemeinsames Hauptquartier.

In dieser Zeit hat er auch die Ermordung politischer Gegner durch die PKK als legitime Bestrafung von „Verrätern“ gutgeheißen. Hinsichtlich der PKK äußerte er: „Wir haben dieselbe Philosophie und Ideologie. Was wir führen, ist jedenfalls ein politischer Krieg. Wenn sich die Türkei gegen die Existenz der Kurden positioniert, werden wir nicht still bleiben.“ Dem US-Politikwissenschaftler Michael Gunter zufolge, der sich auf Informationen aus den Reihen in Deutschland lebender, PKK-naher Aktivisten aus Syrien beruft, soll die PKK 2012 Ferhat Abdi Sahin (Sahin Cilo), einen angeblichen Stiefsohn Abdullah Öcalans, zum Generalkommandanten für die YPG-Milizen gemacht haben.

Wikileaks legt Telegramme von Diplomaten offen

Im Jahr 2013 berichtete Habertürk über die syrischen Operationen der PYD und darüber, dass Sofi Nurettin und Sahin Cilo zusammen für diese verantwortlich gewesen seien. Auch aus Wikileaks-Unterlagen geht hervor, dass in diplomatischen Telegrammen auch Geschäftsträger der USA über eine organische Verbindung zwischen der PKK und der PYD informiert gewesen seien – obwohl das State Department eine solche Verbindung bis heute leugnet.

Auch der deutsche Verfassungsschutz ist über die Verbindung informiert. Im Verfassungsschutzbericht des Landes Baden-Württemberg über das Jahr 2014 heißt es: „Anfang 2014 wurde in drei nördlichen Regionen Syriens, das bereits vom Bürgerkrieg geschwächt war, eine „Demokratische Autonomie“ unter der Federführung der „Partei der Demokratischen Union“ (PYD) ausgerufen. Nordsyrien wird hauptsächlich von Kurden bewohnt und von diesen „Rojava“ oder „Westkurdistan“ genannt. Die PYD gilt als syrische Schwesterorganisation der PKK, weil sie u. a. den inhaftierten Abdullah Öcalan als Anführer aller Kurden anerkennt. Ihr militärischer Arm trägt die Bezeichnung „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG).

 

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Bruder des inhaftierten Terroristen Abdullah Öcalan, Osman. (Foto: screenshot)
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