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Krieg gegen den Terror
Türkei: Geheimdienst MIT soll in Zukunft vermehrt auch im Ausland operieren

Der Tätigkeitsbereich des türkischen Geheimdienstes MIT ist mittlerweile größer geworden. Grenzsicherung und Überwachung gehören ebenso dazu wie die Koordination paramilitärischer Einheiten im Ausland und die eigene Durchführung von Operationen im In- und Ausland.

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(Foto: haber)

Ankara (eurasia) – Die Oppositionspresse witterte einmal mehr Verschwendung, Prunksucht und bloßes Repräsentationsgehabe und wetterte dagegen, dass für die anstehende Reform der türkischen Nationalen Geheimdienstorganisation (MİT) ein Etat von nicht weniger als 140 Millionen US-Dollar veranschlagt worden ist. Die Regierung hingegen führt eine Reihe sachlicher und politischer Gründe ins Treffen, die es unabdingbar machen würden, dem Geheimdienst umfassendere Mittel und schlagkräftigere Strukturen an die Hand zu geben, zu denen unter anderem auch ein neues Hauptquartier gehören sollte.

Traditionell reichte das Tätigkeitsfeld des MİT nicht wesentlich über die eigenen Landesgrenzen hinaus. Das Hauptaugenmerk galt den drei hauptsächlichen Bedrohungspotenzialen für die kemalistische Republik, den Linksextremisten, den Separatisten und der so genannten religiösen Reaktion. Je mehr sich diese durch Auswanderungsbewegungen in Richtung Europa oder andere Staaten des Auslands nach außerhalb verlagerte, umso stärker versuchte man entsprechend, entweder über nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit den Zielstaaten oder auch mittels des Aufbaus eigener nachrichtendienstlicher Strukturen in den Einwanderercommunitys den Informationsfluss nicht abreißen zu lassen.

Mittlerweile ist der Tätigkeitsbereich größer geworden, Grenzsicherung und Überwachung gehören ebenso dazu wie die Koordination paramilitärischer Einheiten im Ausland und die eigene Durchführung von Operationen im In- und Ausland. Auch die Aktivitäten der Untersuchungsabteilung für Finanzstraftaten stehen nicht zuletzt seit dem Auftreten des „Parallelstaates“ im Fokus der nationalen Geheimdienstorganisation.

(Foto: MIT)
(Foto: MIT)

Die alten baulichen Strukturen im gewachsenen Ankara sind in Zeiten technisch ausgereifterer Beobachtungs- und Überwachungsmöglichkeiten ebenfalls nicht mehr up to date. Die Aufteilung der bestehenden Abteilungen auf mehrere Örtlichkeiten, die ursprünglich am Rande der Stadt gelegen hatten, aber bedingt durch deren Wachstum mittlerweile zum Zentrum gehören, schafft mittlerweile nicht mehr nur vermeidbaren Aufwand, sondern stört auch das öffentliche Leben, weil Modernisierungsmaßnahmen aus Sicherheitsgründen breitere Änderungen in der Verkehrsführung im Umfeld erforderlich machen. Die Stadtplanung war ebenso betroffen, am Ende musste aus Sicherheitserwägungen sogar eine Straßenbahnlinie umgeleitet werden.

Auch die meist im Laufe der 1970er Jahre geschaffene Bausubstanz ist gealtert und nicht mehr in jedem Fall geeignet, moderne Technologie zu beherbergen. Die leichte Einsehbarkeit vieler Gebäude von außen macht den MİT in Zeiten fortgeschrittener Drohnen- und Satellitentechnologie verwundbarer. Obwohl man bereits in den Jahren zuvor in die Infrastruktur investiert hatte, gingen immer wieder unter Geheimhaltungsstufe stehende Daten verloren und gelang es Hackern infolge von Cyberattacken, Informationen abzuschöpfen.

Die Türkei ist nicht das einzige Land, das diese Erfahrungen machen musste, und vor diesem Hintergrund haben Länder wie Deutschland oder Australien im Laufe der letzten Jahre ebenfalls Geheimdienste in neue Gebäude verlegt. Alleine schon die räumliche Zusammenlegung schafft das Potenzial, interne Abläufe zu optimieren.

Nicht nur auf Grund der geschwächten Lira gegenüber dem Dollar, die es kostspieliger machte, Spezialausstattung anzuschaffen, ist der Etat des MİT im Laufe der letzten zehn Jahre um 419 Prozent angestiegen. Auch das hat in den Reihen der Geheimdienstführung die Forderungen lauter werden lassen, eine neue, umfassende, größere Einheit zu schaffen, die eine Zusammenführung aller Technologien und eine räumliche Zusammenfassung der Abteilungen ermöglicht.

Ein Teil der Kosten für das neue Gebäude soll aufgebracht werden, indem die früheren Grundstücke an die TOKI, die Wohnungsentwicklungsverwaltung, veräußert werden. Auch wenn die Gebäude veraltet und nicht mehr viel wert sind, ist der Wert der Grundstücke, auf dem sie stehen, deutlich angestiegen.

Allerdings hatte im Zuge der Reform ohne Zweifel auch Hakan Fidan, der den Geheimdienst seit 2010 leitet, seinen Einfluss geltend gemacht, der als Schattenaußenminister gilt und für wesentliche politische Schritte der türkischen Regierung die Vorbereitungsarbeit geleistet hatte, beispielsweise die Verhandlungen mit dem inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan seit 2012.

Um die Abhängigkeit von den Ministerien zu senken, hat der MİT 2011 auch eine eigene Akademie gegründet und auch in der Zusammenarbeit mit ausländischen Diensten an Eigenständigkeit gewonnen. Mittlerweile ist der Geheimdienst ein wichtiger Einflussfaktor in der Entscheidungsfindung türkischer Politik. Er ist in fast allen Treffen auf höchster Stufe mit dem Präsidenten und dem Premierminister mit von der Partie. Sowohl Erdoğan als auch Davutoğlu scheinen ihm mehr zu vertrauen als allen anderen Bürokraten des Landes.

Zudem soll in einer Zeit, da die Türkei in einigen Ländern ihre Botschaften schließt, der Informationsfluss, der mit solchen im Regelfall verbunden ist, deshalb nicht abreißen. Es soll deshalb auch zu den perspektivischen Aufgaben des MİT gehören, Netzwerke und Verbindungen in Ländern aufzubauen, zu denen die Beziehungen der Türkei sich verschlechtert haben. Bereits jetzt ist der MİT in Ländern wie Syrien oder dem Irak aktiver als das Außen- oder Verteidigungsministerium. Außerdem: Auch andere bedeutsame Länder der Region wie Israel und der Iran haben ihre Geheimdienstarbeit regional ausgebaut und den Diensten insbesondere in der Auslandsarbeit ein höheres Maß an Verantwortung übertragen.

Hakan Fidan war vor mehr als einem Jahr bereits als möglicher Außenminister in Nachfolge des auf den Stuhl des Premierministers wechselnden Ahmet Davutoğlu im Gespräch. Am Ende musste der Präsident selbst intervenieren, um Fidan davon zu überzeugen, seinen bisherigen Posten beizubehalten. Die anstehende Reform des Geheimdienstes sollte mit bekannten Gesichtern und vertrauten Persönlichkeiten vonstattengehen.

 

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Erschienen bei unserem Kooperationspartner Eurasianews

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