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EU-Beitritt
Trotz EU-Schmeicheleien: Nur noch 20 Prozent der Türken wollen in die EU

Einer Erhebung von 2015 zufolge wünschen sich nur noch 20 Prozent der türkischen Bevölkerung eine Mitgliedschaft in der EU. Einige Jahre zuvor lag der Wert noch bei 75 Prozent.

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(Foto: Falco)

Ankara (eurasia) – Die Türkei sei ein wichtiger Akteur in der Region, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bei einer Pressekonferenz in Ankara. Wie der TV-Sendeer TRT berichtete gab Mogherini an, die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU würden sich stärker entwickeln.

Ankara hatte sich im Jahr 1987 um eine Mitgliedschaft in der damaligen Europäischen Gemeinschaft beworben. Beitrittsverhandlungen wurden aber erst 2005 aufgenommen.

Seit Beginn der 2010er Jahre bemerkte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan jedoch, dass die Bevölkerung seines Landes immer weniger an einem Beitritt zur EU interessiert sei. Die Türkei schlug unter Erdoğans AKP einen zunehmend unabhängigen und mitunter eurasischen Kurs ein. Die Türkei fokussiert sich dabei auf ihr ethnisches Erbe mit Blick auf die zahlreichen Turkstaaten zwischen dem Kaukasus und Zentralasien sowie ihr historisches und kulturelles Erbe mit Blick auf die muslimisch geprägten Staaten, die aus dem ehemaligen Staatsgebiet des Osmanischen Reiches hervorgingen. Ankara zielt mutmaßlich darauf ab, ein neues und, anders als die EU heute, eher loses Machtzentrum zwischen Ost und West zu werden.

Gegenwärtig verhandeln die EU und die Türkei über einen gemeinsamen Aktionsplan bei der Abschirmung von syrischen Flüchtlingen. Dabei versprach die EU, die in zahlreichen ihrer Mitgliedsländer einen Besorgnis erregenden Rechtsruck durchmacht, Ankara für seine Hilfe finanzielle Zuwendungen in Höhe von drei Milliarden US-Dollar zukommen zu lassen. Bislang wurde die volle Summe noch nicht bezahlt. Darüber hinaus sollen die türkischen Beitrittsverhandlungen zur EU nun doch intensiviert und Visa-Beschränkungen für türkische Bürger eingestellt werden.

Mit der Flüchtlingskrise hat sich Europa vom guten Willen der Türkei abhängig gemacht, da es nicht fähig ist, in Entsprechung seiner sonst immer wieder beschworenen menschenrechtlichen Postulate dem Strom Hilfsbedürftiger aus zahlreichen vom Westen selbst geschaffenen Kriegsgebieten des Nahen Ostens Herr zu werden. Letzte Meldungen aus der Türkei gaben Aufschluss darüber, dass die Regierung in Ankara ihrerseits gedenkt, Syrern künftig permanente Arbeitserlaubnisse zu gewähren. Für die Türkei, die nicht weniger als zwei arabische Nachbarstaaten hat, dürfte sich langfristig ein gesundes wirtschaftliches Potenzial ergeben. In der Türkei leben mehr als zwei Millionen Syrer. Allein in der südosttürkischen Stadt Gaziantep ist bereits jetzt jedes fünfte Unternehmen ein Geschäft, welches von Syrern gegründet wurde.

 

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Erschienen auf eurasianews.de

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