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Rechtsextreme Gerüchte-Strategie
Bayern: Angebliche Vergewaltigung durch Flüchtlinge war frei erfunden – Staatsschutz ermittelt

Ein 22-jähriger Treuchtlinger brachte über soziale Medien die Behauptung im Umlauf, Flüchtlinge hätten ein zehnjähriges Mädchen vergewaltigt. Die Geschichte erwies sich als frei erfunden. Immer wieder verbreiten rechtsextreme Kreise aber an verschiedenen Orten in ganz Deutschland die gleichen Gerüchte.

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(Foto: dts)

Nürnberg (nex) – Die Vorgehensweise ist meist ähnlich, die Geschichten auch, nur die Orte sind verschieden: Raubzüge im Kaufhaus, ein geschlachtetes und gegessenes Pferd (einmal soll es sogar das eines mehrfachen Dressurweltmeisters gewesen sein) oder eben Gruppenvergewaltigungen von minderjährigen Mädchen. Regelmäßig werde Journalisten von den Behörden Schweigegeld geboten und die Polizei habe eine Nachrichtensperre verhängt. Im mittelbayerischen Treuchtlingen war wieder einmal Letzteres an der Reihe, wie nordbayern.de berichtete.

Ein 22-Jähriger hätte auf Facebook gepostet, ein zehnjähriges Mädchen sei auf dem Schulweg von Flüchtlingen vergewaltigt worden. Man werde darüber nichts in den Medien lesen, weshalb es umso nötiger sei, den Beitrag über die sozialen Medien zu verbreiten. Die „Zeit des Schweigens“ sei vorbei, erklärte der Treuchtlinger, es gehe um „unsere Kultur und unser Vaterland“. Innerhalb von nur zwei Stunden hatte der Eintrag entsprechend weite Kreise gezogen und war bereits über 100 Mal geteilt worden. Wie sich allerdings herausstellte, war die behauptete Vergewaltigung frei erfunden. Als die Polizei im Haus des jungen Mannes nachfragte, löschte dieser umgehend den Beitrag und konnte keinerlei Angaben über die Quelle seiner Information machen. Auch weitere Recherchen konnten weder Zeit noch Ort, Details oder Namen von Opfern oder Zeugen zutage fördern.

Dass bereits zwei Monate zuvor eine fast gleichlautende Geschichte, bei der eine 16-Jährige das Opfer gewesen sein soll, in Treuchtlingen kolportiert worden sein soll, wobei sogar ein angeblicher Münchner Kripobeamter als Gewährsmann genannt worden sei, und diese sich ebenfalls als bloßes Gerücht erwiesen hätte, verstärkte den Eindruck, dass der Beitrag lediglich Teil einer Strategie rechtsextremer Kreise sei. Diese verbreiten seit einigen Wochen in ganz Deutschland inhaltlich fast identische Gerüchte, die lediglich an immer neuen Orten über soziale Medien verbreite werden, um die Stimmung gegen Flüchtlinge anzuheizen. Für den 22-jährigen Treuchtlinger hat dies allerdings nun ein Nachspiel. Gegen ihn ermitteln jetzt die Kriminalpolizei und der Staatsschutz.

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