Terror-Tourismus
    PKK: Immer mehr Ausländer und weniger Kurden

    Militante Christen, säkulare Kommunisten, Abenteurer und Ex-Models. Die Liste der ausländischen PKK-Kämpfer wird jeden Tag etwas länger. Auf Dauer scheint ein reibungsloses Miteinander schwierig zu sein. Wie Medien berichten, hätten erste christliche Freiwillige die YPG bereits wieder verlassen, weil sie mit den politisch-ideologischen Vorstellungen der „Bande von verdammten Roten“, wie es Armee-Veteran „Scott“ ausdrückte, nicht zurechtkamen.

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    (Foto: trt)
    Immer weniger Kurden in der PKK, YPG wird zum Ziel ausländischer Kriegstouristen
    Ankara (nex) – Die von der terroristischen PKK gesteuerten „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG) in Syrien werden zunehmend zum Magneten für Revolutionsromantiker und Kriegstouristen aus westlichen Ländern. Seit die Belagerung der vorwiegend von Kurden bewohnten, im Norden Syriens gelegenen Stadt Kobani durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Jahr 2014 für einige Wochen die Titelblätter internationaler Medien zierte, hat sich die linksextreme und separatistische Terrororganisation neben dem IS selbst zu einer weiteren Projektionsfläche für die pubertären Wunschträume meist junger Menschen aus dem Westen entwickelt, die in ihrem Leben gerne mal den Helden markieren möchten.
    Ausländische PKK-Kämpfer kommen aus unterschiedlichsten ideologischen Gründen
    Bereits im Februar des Jahres hatten Medien wie „New York Daily News“ Reportagen über ausländische Freiwillige gebracht, die sich den YPG angeschlossen hätten und die unter anderem aus den USA, Spanien, Venezuela, Großbritannien, den Niederlanden oder China gekommen wären, um sich, so ein Presseorgan der YPG, für „menschliche Werte“ einzusetzen. Die YPG-Anhänger aus dem Ausland kommen dabei aus unterschiedlichsten ideologischen Zusammenhängen.
    Kevin Jochim aus Karlsruhe
    Einer der bekanntesten Köpfe dabei war der vor einigen Monaten mutmaßlich bei einem Feuergefecht ums Leben gekommene Kevin Jochim aus Karlsruhe. Der schwerpunktmäßig für das Basteln von Handgranaten und für den Einsatz im Bereich der urbanen Kriegsführung eingesetzte Jochim ging vor allem auf Grund einer starken politisch-ideologischen Affinität zur marxistisch-leninistischen PKK als Kämpfer nach Syrien, um die Reihen der YPG zu verstärken.
    FDP-Politiker Tobias Huch aus Mainz
    Darüber hinaus gibt es auch Personen, die sich als Werbeträger für die YPG inszenieren, die aus der Politik oder aus dem öffentlichen Leben stammen. Ein Beispiel dafür ist der chronisch erfolglose FDP-Politiker Tobias Huch aus Mainz, weitere sind Magazinfiguren wie das kanadische Topmodel Tiger Sun, die sich unter dem Codenamen „Hevi Piling“ an der Seite von YPG zeigt und dort – ähnlich wie die israelische Staatsbürgerin Gillian Rosenberg mit der Waffe in der Hand zusammen mit Frauenbataillonen der YPG zeigen.
    Immer öfter auch militante Christen aus den USA und Europa in den PKK-Reihen
    Diese Inszenierungen dürften vor allem Teil der seit dem Afghanistankrieg 2001 von der NATO praktizierten Strategie sein, der von orientalistischen Auffassungen und islamfeindlichen Ressentiments geprägten westlichen Öffentlichkeit die Kampfeinsätze in mehrheitlich islamischen Ländern als entschlossenes Eintreten für die Emanzipation der Frau in jenen Ländern zu verkaufen. Auf Fox News beklagt man regelmäßig die vermeintlich fehlende Unterstützung der „extrem prowestlichen“ YPG durch die US-Regierung. Aber es melden sich zunehmend auch militante Christen – sonst eher nur bedingt für emanzipatorische und feministische Positionen bekannt – als Freiwillige zu den YPG. Zu diesen gehören beispielsweise die über Facebook rekrutierenden „Löwen von Rojava“ und unter ihnen finden sich nicht wenige Personen, die in der US-amerikanischen oder britischen Armee bereits Kampferfahrung sammeln konnten.
    Freiwilliger aus den USA: Jordan Matson (2.v.l) (Foto: Jordan Matson/Facebook)
    Freiwilliger aus den USA: Jordan Matson (2.v.l) (Foto: Jordan Matson/Facebook)
    Ihnen geht es vor allem um den Kampf gegen den IS, den sie als stärkste Bedrohung christlicher Gemeinschaften im Irak und in Syrien sehen und den sie daran hindern wollen, weitere Massaker gegen Menschen auf Grund ihres Glaubens zu verüben oder sie in die Sklaverei zu verkaufen. Die YPG scheint ihnen dabei ein tauglicher Partner zu sein. Ihr Einsatz ließ jedoch andernorts auch bereits Argwohn dahingehend aufkommen, dass der zunehmende Zufluss ausländischer Kämpfer die Position der kurdischen Kader unterminieren könnte.
    Auf Dauer scheint ein reibungsloses Miteinander schwierig zu sein. Wie das „Middle East Eye“ berichtete, hätten erste christliche Freiwillige die YPG bereits wieder verlassen, weil sie mit den politisch-ideologischen Vorstellungen der „Bande von verdammten Roten“, wie es Armee-Veteran „Scott“ ausdrückte, nicht zurechtkamen. Einige der christlichen Freiwilligen haben mittlerweile mit Dwekh Nawsha im Nordirak eine eigene Miliz gegründet, die christliche Gemeinden gegen Übergriffe schützen soll.
    Einige Christen befinden sich allerdings immer noch in den streng säkularistischen und kommunistischen Reihen der YPG. Und es kommt auch immer wieder zu Desertionen. Diese haben nicht immer ideologische Gründe, sondern sind dadurch bedingt, dass einige Internet-Cowboys, mit der Realität vor Ort konfrontiert, lieber doch vom Streben nach dem Heldentod ablassen.
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