Autokonvoi mit Bomben aus der Luft angegriffen Ägypten: Sisi-Militär bombardiert mexikanische Touristen

Autokonvoi mit Bomben aus der Luft angegriffen
Ägypten: Sisi-Militär bombardiert mexikanische Touristen

Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto verurteilte das Vorgehen der ägyptischen Sicherheitskräfte und verlangte nach einer eingehenden Untersuchung.

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(Foto: daily)

Ägypten: Al-Sisi-Regime tötet zwölf Menschen bei Angriff auf Touristenkonvoi

Kairo (nex) – Nach dem blutigen Putsch des Militärs unter dem damaligen General und heutigen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi gegen den gewählten Präsidenten Mohammed Mursi im Juli 2013 hatte der Tourismus, immerhin die Haupteinnahmequelle Ägyptens, einen erheblichen Rückgang zu verzeichnen gehabt. Erst im Vorjahr, nachdem es dem im Anschluss an den Staatsstreich an die Macht gekommenen Regime gelungen war, mit eiserner Hand die Situation im Land wieder zu beruhigen, erholten sich die Besucherzahlen wieder.

Nun droht jedoch ein neuerlicher Rückschlag: War es in den vorangegangenen Monaten bereits zu Bombenattentaten und Mordanschlägen vonseiten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Kairo und Luxor gekommen, starben am Sonntag erstmals seit mehr als einem Jahr wieder Urlauber. Diesmal jedoch war nicht der IS oder eine andere Terrororganisation dafür verantwortlich, dass in der westägyptischen Wüste zwölf Touristen starben, sondern der Staat selbst.

Antiterroreinheiten hatten, so berichtet die dpa, einen Autokonvoi mit Bomben aus der Luft angegriffen. Offenbar hatten die Truppen den Konvoi aus vier SUVs bestehenden Konvoi für einen von IS-Terroristen gehalten und ins Visier genommen. Einer Stellungnahme aus dem Innenministerium in Kairo zufolge habe es zuvor in der Region Kämpfe zwischen ägyptischen IS-Anhängern und dem Staat gegeben. Tatsächlich handelte es sich bei den Insassen des Konvois aber um hauptsächlich aus Mexiko stammende Urlauber.

Unter den zwölf Toten waren acht Mexikaner. Das Innenministerium spricht von einem „versehentlichen“ Angriff. Die Regierungseinheiten hätten gerade Terroristen verfolgt. Die Regierung versucht zudem, den Reiseveranstaltern die Schuld an dem Vorfall zuzuschanzen. Dem Tourismus-Ministerium zufolge hätten die Organisatoren die Fahrt in einem Sperrgebiet ohne Genehmigung angetreten. Ein Mitarbeiter des Hotels in der Baharija-Oase, in dem die Mexikaner übernachten wollten, widersprach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dieser Darstellung. Er insistiert darauf, dass der Konvoi von erfahrenen Fahrern gelenkt worden wäre, die sich in keine Sperrzonen begeben würden.

Auch ein Polizist soll mit dem Konvoi unterwegs gewesen sein. Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto verurteilte das Vorgehen der ägyptischen Sicherheitskräfte und verlangte nach einer eingehenden Untersuchung. Nachdem das Regime in Kairo ihren bislang stärksten innenpolitischen Gegner, die Muslimbruderschaft, unter anderem mithilfe von Massenverhaftungen und Schauprozessen zerschlagen hatte, begannen extremistische und bewaffnete Gruppen, die sich an „Al-Kaida“ oder dem „Islamischen Staat“ orientieren, deren Platz einzunehmen. Der nunmehrige Vorfall, der einmal mehr die Risiken vor Augen führt, denen Ägypten-Urlauber ausgesetzt sind, könnte auch den Tourismus insgesamt einen schweren Schlag verpassen.

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