Interview Remzi Aru: „Die PKK beherrscht die deutschen Medien nach Belieben“

Interview
Remzi Aru: „Die PKK beherrscht die deutschen Medien nach Belieben“

"Der „Weltspiegel extra“, mit dem die Sendung eingeleitet wurde, hätte auch bezahlte Werbung der PKK sein können. Wenn die ARD das gratis gemacht haben sollte, hat sie sich auf diese Weise ein Millionengeschäft entgehen lassen, denn so viel müsste ich als Unternehmer bezahlen, um mit meiner Firma 15 Minuten lang einem Millionenpublikum meine Sicht der Dinge darlegen zu können."

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„Die PKK beherrscht die deutschen Medien nach Belieben“

Am Dienstagabend befasste sich die Talksendung „Menschen bei Maischberger“ mit dem Thema „Religiöse Fanatiker, machthungrige Diktatoren: Chaos im Orient“. Zu Gast waren die Journalisten Düzen Tekkal, Ulrich Kienzle sowie Jürgen Todenhöfer und der Unternehmer Remzi Aru.

Letzterer erklärte sich bereit, NEX24 für ein Interview zur Verfügung zu stehen, in dem er noch einmal Bilanz darüber zog, was die gestrige Sendung, bei der nicht zuletzt der Konflikt zwischen der türkischen Regierung und der PKK und ihrem syrisch-kurdischen Ableger PYD im Fokus stand, über den Umgang deutscher Medien mit der Krisensituation im Orient verriet.

NEX24: Herr Aru, auf Ihrer Fanseite gab es neben den üblichen Hassposts von Personen, die ihre Position zum Kurdenkonflikt nicht teilen, auch Kritik dahingehend, dass Sie nicht energisch genug gegen die ziemlich unverhohlene PKK-Propaganda im „Weltspiegel extra“ und vonseiten der Journalistin Tekkal eingeschritten wären. Sind Sie enttäuscht über den Verlauf der Sendung?

Nein, ich bin in keiner Weise enttäuscht. Ich kann nicht nachvollziehen, mit welcher Erwartungshaltung Leute an die Sache herangehen, die denken, man müsse TV-Auftritte nutzen, um polternd irgendwelche Parolen loszuwerden und vor allem durch Lautstärke aufzufallen. Damit würde man einmalig vor einem großen Publikum Aufsehen erregen und so sein Recht auf 15 Minuten Starruhm in Anspruch nehmen. Man würde jedoch außer Schenkelklopfen aufseiten der ohnehin schon Überzeugten nichts gewinnen und mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr eingeladen werden.

NEX24: Aber sind Sie denn mit Ihrem betont moderaten Auftreten nicht angesichts der Bilderflut untergegangen, die gleich zu Beginn dem Zuschauer suggeriert hat, dass die PKK-Kämpfer doch nur Menschen wie Du und ich wären, die heldenhaft die Schutzlosen verteidigen, während die Türkei ihnen dabei das Leben schwer macht?

Die Sendung gestern hat gezeigt, dass die PKK möglicherweise die Terrororganisation ist, die weltweit die perfekteste Medien- und PR-Arbeit betreibt und vor allem weiß, wie man in Deutschland die richtigen Schmeicheleien an die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt loswird. Sie kennt die pawlowschen Reflexe, beherrscht die deutsche Medienlandschaft geradezu nach Belieben und spielt auf ihr wie der Teufelsgeiger auf seiner Violine. Der „Weltspiegel extra“, mit dem die Sendung eingeleitet wurde, hätte auch bezahlte Werbung der PKK sein können.

Wenn die ARD das gratis gemacht haben sollte, hat sie sich auf diese Weise ein Millionengeschäft entgehen lassen, denn so viel müsste ich als Unternehmer bezahlen, um mit meiner Firma 15 Minuten lang einem Millionenpublikum meine Sicht der Dinge darlegen zu können. Wie man sieht, ist die ARD wirtschaftlich so gesund, dass sie sich leisten kann, Werbezeit zu verschenken. Würde jeder Haushalt verpflichtet, meiner Firma monatlich eine „Demokratieabgabe“ zu bezahlen, hätten wir da aber auch noch ganz andere Möglichkeiten.

Der PKK kommt auch noch zugute, dass sie sagt, was deutsche Mainstreamjournalisten denken. Sie bedient die Meme, die sich innerhalb der deutschen Politik und innerhalb der deutschen Medienlandschaft seit Jahr und Tag ausbreiten konnten, zumal es auch keine nennenswerte Gegenöffentlichkeit gab, die diese infrage gestellt hätte. Wenn es wie jüngst wieder in einem „Tagesschau“-Kommentar heißt, dass der türkische Präsident „islamistische Mörderbanden mit Waffen versorgt“, dann liegt das nicht nur daran, dass die PKK, der Iran oder die türkische Opposition samt Parallelstaat alle Register ziehen, um diese Legende zu pushen, sondern auch daran, dass deutsche Journalisten sie glauben, weil sie sie glauben wollen – auch wenn der Sprecher des amerikanischen State Departments noch hundertmal die Verdienste der Türkei im Krieg gegen den IS-Terror würdigt.

 

remzi.aru.turkish

Dass sie ihre Macht missbrauchen, um dem deutschen Medienpublikum solche Lügen brühwarm zu servieren, macht es umso nötiger, diese Gegenöffentlichkeit aufzubauen und jede Chance zu nutzen, dieser Volksverdummung und diesem Panzerjournalismus entgegenzuwirken. Und mein gestriger Auftritt war nur ein Schritt in diese Richtung, dem noch unzählige folgen müssen. Dies ist erst der Anfang. Aber wir müssen uns auch unumwunden eingestehen, dass die Willfährigkeit deutscher Medien, alles und jeden, selbst Mafiabanden oder Terroristen zu unterstützen, solange er nur der Türkei und ihrem Präsidenten schaden will, und die Entschlossenheit, dazu alle Register der Desinformation zu ziehen, immer noch fast orwelleske Züge aufweist.

NEX24: Aber was hat der Auftritt dann definitiv bewirkt, wenn einmalig ein Remzi Aru deutlich machen konnte, warum diese Behauptung unwahr ist, aber sie heute schon wieder wie auf Knopfdruck in zahlreichen Medien wiedergegeben wird?

Ich hatte eine Möglichkeit, mich an die Nachdenkenden zu wenden. Diejenigen, die die Wahrheit kennen, muss ich nicht überzeugen, diejenigen, die sie nicht kennen wollen, werde ich auch in hundert Sendungen nicht überzeugen. Aber die Nachdenkenden, von denen konnte ich viele erreichen. Darunter Unzählige, die vorher noch nie von mir gehört hatten. In der „Frankfurter Allgemeinen“ steht heute über Frau Tekkal und mich: „Wenn deren Disput Maßstab für den Umgang mit Konflikten werden sollte, müsste man sich um dieses Land weniger Sorgen machen.“ Die Folge wird sein, dass sich Leser dieser Zeitung von nun an vermehrt mit meiner Arbeit und mit meinen Positionen beschäftigen werden, dass morgen vielleicht der nächste Fernsehsender mich zur Diskussion einlädt oder die nächste Publikation kommt und ein Interview haben möchte. Jeder Auftritt dieser Art zieht ein Mehr an öffentlicher Aufmerksamkeit auf sich.

NEX24: Wie war eigentlich Ihr Eindruck insgesamt von der Sendung, Ihren Mitdiskutanten, Frau Maischberger?

Geht man davon aus, dass die meisten Diskussionssendungen im deutschen Fernsehen ohnehin in erster Linie tote Briefkästen sind, in denen jeder seine Botschaft für all jene deponiert, die sie hören wollen, und sich entsprechend im Kreis bewegen, ergaben sich zumindest über eine Weile hinweg ansatzweise Gespräche. Frau Maischberger hat immerhin dazu beigetragen, dass ich zumindest gefühlt die Hälfte meiner Sätze beenden konnte. Frau Tekkal hat die Botschaft aus Kandil ungefiltert und damit authentisch rübergebracht, Herr Kienzle fasste im Kern noch einmal alle Meme zusammen, die deutsche Medien im Laufe der letzten Jahrzehnte aus viel Meinung und nicht ganz so viel Ahnung gezimmert haben und Herr Todenhöfer hat einmal mehr sein fachliches Wissen und seine reiche Erfahrung hinter seine komplett einseitige antiamerikanische Agenda zurücktreten lassen, was dafür gesorgt haben dürfte, dass viele richtige Botschaften nicht optimal rüberkamen.

NEX24: Wird in nächster Zeit in den Medien öfter mit ihnen zu rechnen sein?

Davon können Sie ausgehen. Es ist nötig, die Stimme zu erheben. Es ist nötig, die Menschen zum Denken zu bringen. Es ist nötig, die Macht des Konsensjournalismus zu brechen, der permanent im eigenen Sud kocht, wo man einander wechselseitig in seinen Vorurteilen bestätigt und jeden, der diese in Frage stellt, mit inhaltsleeren Totschlagvokabeln wie „Antidemokrat“, „Islamisierung“ oder „Querfront“ belegt. Dies muss einerseits durch den Aufbau neuer, alternativer Medien geschehen, andererseits dadurch, dass man jede Möglichkeit nutzt, seine Botschaft in die traditionellen Medien zu tragen. Wie man sieht, zwingt der Druck von außen diese, ihr Blickfeld zu erweitern.

NEX24: Herr Aru, vielen Dank für das Gespräch.

 

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