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Flüchtlingspolitik: Für Osteuropa nur „Weiße“ und „Christen“

Wenn man schon Einwanderer aufnehmen müsse, dann sollten es, so immer mehr Politiker aus den betreffenden Staaten, Christen sein. Muslimische oder dunkelhäutige Flüchtlinge seien den jahrzehntelang zusätzlich durch den Sozialismus homogenisierten Gesellschaften „zu fremd“.

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Flüchtlingskamp Kilis in der Türkei. Hier werden auch Farbige und jesidische Christen aufgenommen. (Foto: konhaber)

Brüssel (nex) – Offenbar als Reaktion auf zunehmenden Druck fremdenfeindlicher Kräfte haben mehrere osteuropäische Länder erklärt, nur christliche Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufnehmen zu wollen.Mit Blick auf die Fluchtbewegungen aus Nordafrika und dem Nahen Osten möchte man vor allem in den osteuropäischen Ländern eine Flüchtlingspolitik à la Carte betreiben. Wenn man schon Einwanderer aufnehmen müsse, dann sollten es, so immer mehr Politiker aus den betreffenden Staaten, Christen sein. Muslimische oder dunkelhäutige Flüchtlinge seien den jahrzehntelang zusätzlich durch den Sozialismus homogenisierten Gesellschaften „zu fremd“.

Wie die dpa meldet, wehren sich zahlreiche osteuropäische Staaten im Angesicht von derzeit 40 000 zu verteilenden Menschen, die nach Europa geflohen waren, gegen von der EU vorgeschlagene Flüchtlingsquoten. Zahlreiche Politiker aus Ländern wie Tschechien, der Slowakei, Polen oder dem Baltikum warnen vor „Flüchtlingen aus einem kulturell ganz anderen Umfeld“. Diese wären, so der tschechische Präsident Milos Zeman, „in keiner glücklichen Lage“. Sozialministerin Margus Tsahkna aus dem zu 70 Prozent konfessionslosen Estland begründete ihre ablehnende Haltung hinsichtlich der Aufnahme von Flüchtlingen der dpa zufolge mit der Aussage: „Wir sind schließlich ein zum christlichen Kulturraum gehörendes Land.“ Der slowakische Regierungschef Robert Fico warnt nicht zuletzt vor „Terroristen“, die sich unter islamische Flüchtlinge mischen könnten. Die Slowakei wolle deshalb bevorzugt Christen aufnehmen, um vermeintlichen Ängsten in der Bevölkerung zu begegnen.

Im Vorjahr hatte es ganze 331 Asylbewerber in der Slowakei gegeben, von denen 14 Asyl gewährt wurde. In Tschechien und der Slowakei hatten bereits mehrfach Neonazis Aufmärsche organisiert oder Unterschriftenaktionen durchgeführt, die in Tschechien sogar mehr als 145 000 Unterstützer fanden.
In Prag wollen Politiker zusätzlich noch so genannte Background-Checks für Flüchtlinge durchführen, um potenzielle Terroristen identifizieren zu können. Anschließend sollen die Flüchtlinge in geschlossenen Heimen untergebracht werden, die in entlegenen Gegenden errichtet wurden. In Polen, das etwa 2000 Flüchtlinge aufnehmen soll, plädieren Politiker wiederum dafür, statt Flüchtlingen lieber junge Polen aus der Emigration zu holen oder ethnische Polen aus Kasachstan einwandern zu lassen. Streicheleinheiten haben Einwanderer also in osteuropäischen Ländern nicht zu erwarten.

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